28.03.07 Baltic Soul Chronicles - Part 2

Was Musik angeht, hatte ich Leroy Hutson eigentlich schon als mein Highlight am Freitagabend eingeplant. Der gute Herr, mittlerweile angeblich Immobilien-Großverdiener, sah das allerdings anders: Mr. "best-kept secret of Seventies Soul" bleibt auch weiterhin lieber ein Geheimnis, als in den Flieger nach Europa zu steigen. Schade drum. Bleibt als angenehme Überraschung Erobique auf dem Hauptfloor: In Hamburg habe ich ihn immer wieder verpasst, aber der gute Mann ist tatsächlich eine rockende, mit kleinen Absurditäten um sich schmeissende Einmannband für Elektrogrooves. Immer toll, jemanden mit Spaß auf der Bühne zu sehen - aber nicht zu lang, immerhin möchte ich Marva Whitney im teppichgeschwängerten Tagungsraumcharme des 70s-Floors ungern verpassen.

Oder möchte ich es doch? Eine gute Frage, die mir auch mein Anwalt nicht beantworten konnte. Die Soulpower Allstars haben jedenfalls brav geprobt und extra für heute die Anzüge gebügelt. Der Ansager mit Hut feiert und fuchtelt wie 1974. Die Einsätze der Band sind tight. Fast. Und schon bald findet ein funkelndes lila Paillettenkleid seinen Weg auf die Bühne, mit Marva Whitney drin. Respekt: Immer noch eine fantastische Stimme. Power. Laut und fehlerfrei. Nur motorisch-mimisch wirkt Marva Whitney 2007 doch oft eher wie ein grob angeschickerter, kleiner Dennis Rodman im Fummel, wenn man genau hinsieht. Schwierig, auch in journalistischer Hinsicht - Leuten einen amtlichen Suff anzudichten, nur weil die Augen groß und die Gesten ausladend sind, gehört sich nicht. Also lieber nicht machen, darin bekräftigt mich auch mein Anwalt. So oder so: Marva war da und hat sich toll angehört, daran gibt es keine Zweifel. Und darauf kommt es ja auch an, wenn man einfach etwas weiter von der Bühne weg steht.

Auf dem Hauptfloor blieben derweil Hans Nieswandt nur 30 Minuten Zeit, um sein eigentlich anderthalbstündiges Set zu spielen - Verspätungen fordern eben irgendwann ihre Opfer. Schade, dass ausgerechnet er es sein musste, aber das hat er geschickt durch Klonen ausgeglichen, glaube ich. Zumindest bin ich ihm an diesem Abend überall auf dem Gelände so unrealistisch oft begegnet, dass es sich kaum anders erklären lässt als durch gut abgestimmte Doppelgängerei. Während die Disco Boys auf dem Hauptfloor gegen später eher musikalisches Resteficken betrieben (Verzeihung, größten Respekt für die Karriere der Jungs, aber ab und an ertrage ich das Spektakel einfach nicht), durfte der erste Abend also zusammen mit einem der Hänse bei Drinks, Mojos Oliver Korthals und "Soulful House & Disco" - so nannte sich der kleine Floor mit Blick auf die Dünen - ausklingen.

Lesen Sie morgen in Teil 3: Wo Samuel L. Jackson Vibraphon spielt und wieso Joy Denalane gar nicht so schlimm ist.

Posted by djmq