25.06.07 Blockparty in den Knochen


Das St.Pauli Clubheim kann jetzt gerne abgerissen werden, denn nach der waschechten Blockparty am Samstag hat das Gebäude vermutlich wirklich alles gesehen, was man als Gebilde aus Beton, Holz und Backstein so sehen kann.

mEIER hat stilecht und standesgemäß einen Hummer aus Pappe und Sprühfarbe vor das DJ-Pult gestellt, an dem die ganze Nacht massive Platten mit Hang zum Proletariat gespielt wurden. Was einem auf einer normalen HipHop Party den Abend vermiesen würde, ist aber im Kontext der Blockparty irgendwie große Kunst. Als wir ankamen versprühte E-Z Iron Cee (Cee steht für Cobra) gerade seinen Jahrmarkt Charme, der auf dem Heiligengeist Feld wie die Faust aufs Auge passte. Keb Darge, der für seine Ansagen und moderierten Raritäten berühmt ist, könnte bei mEIER gut und gerne in die Schule gehen und noch einiges lernen, was Ansagen angeht. Die Blockbrigade fand ich persönlich unterhaltsam, während meine Leute Mad Maxamom nicht ausstehen konnten.
DJ Sdag von den Fingerprints, hatte zwar einen völlig übermüdeten Flowin’ Immo im Gepäck, aber nach einem fast 3stündigen Konzert am Freitag im Knust, konnte Immo einfach nicht mehr zur wilden Stimmung beitragen. Sdags UK Sound wurde dafür aber vom gewohnt herrlichen Publikum gefressen wie deutsche Firmen von britischen Heuschrecken.
Als dann die wirklich sehr passend gestylten Coconutt Twins ihr „Set“ begannen, sind die Leute vor lauter Erwartung völlig durchgedreht. Die Coconutt Twins haben auch ordentlich prollige Songs gespielt, und mit Tabledance das Publikum weiter angefeuert, aber wenn man es genau nimmt, sind die beiden eher eine Frisurenshow mit Plattenkoffer, als DJs auch nur im weiteren Sinne. Keine Übergänge, springende CDs und statt Ahnung vom Mixer zwei Hände voll mit Plastikschmuck. Was jetzt für jede Party ein Armutszeugnis wäre, ist bei einer Blockparty aber total in Ordnung, denn das Publikum feiert einfach jeden Song, egal ob er vorwärts oder rückwärts gespielt wird, und die Leute sind immer weiter abgegangen. Wir haben am Ende einfach die schlechten Übergänge zwischen den Titeln gefeiert wie die WM in Deutschland, und 123 Bpm einfach gerade sein lassen. Dieser Trashfaktor führte dazu, dass E-Z Iron Cee mit seinen Turntableskills, die er immer gerne in der zweiten Hälfte des Abends präsentiert, fast schon etwas gestört hat. Aber zum Glück war die Kokosnuss die nicht mit Tabledance beschäftigt war, auch nicht ruhig zu stellen, und hat immer wieder ein paar Platten dazwischen geworfen.
Was sich als Hype-Seifenblase entpuppte konnte den Abend also keineswegs bremsen, denn eines muss man den Coconutt Twins lassen, sie sind augenscheinlich 2 Hardcore Partymäuse - so was wie die Hilton Sisters in der Welt von Feivel dem Mauswanderer.

Die Blockparty hat einfach ein Publikum, dass mehr damit beschäftigt ist, sich selbst zu amüsieren und zu feiern, anstatt andere Partygäste anzugaffen und cool an der Wand zu stehen, was in Hamburg leider nur selten der Fall ist. Und Ansagen von mEIER wie „ Deine Mutter arbeitet auf dem Fischmarkt – als Geruch!“ als Antwort auf Zwischenrufe aus dem Publikum als es darum ging die Party langsam zu beenden, machen diese Abende einfach legendär. Und so war es dann auch total in Ordnung um 6 Uhr Morgens völlig zerrockt nach Hause zu schlendern, und den Sonntag eher auf dem Beifahrersitz mitzuerleben.

Posted by Jazzket




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Posted by: JimmiXzSqc at 30.07.17 16:19