04.05.07 Deutschland? Le funk, c'est toi!

Deutschland ist wieder im Kommen und viel, viel cooler, als man denken mag. Die Achse des Geschmacklosen, das alte Europa der Ödnis, alles Schnee von vorgestern - du bist Deutschland, wir sind funky!

Nein, keine Sorge, ich bin nicht irre geworden. Es gibt immer noch unendlich viele Spacken da draussen, die gerade mit Trekkingsandalen in Beachclubs sitzen und sich in Ihresgleichen suhlen. Immer noch sorgt unser Rechtsstaat dafür, dass hochkriminalisierte Kleinkiffer von Zivilcops mit einem anständigen Platzverweis aus dem Park geschmissen werden und den Rest des Tages Umwege machen müssen, um nicht nochmal in der verbotenen Zone erwischt zu werden. Man hört belanglose Musik, trinkt dünnen Milchkaffee und fährt Opel. Aber am Ende des Tages sammle ich nur die Zeichen. Und die sprechen für uns, auf eine verwirrende Art.

War es im letzten Jahrzehnt noch Kool Keith, auf dessen Dr. Octagon-Album mysteriöserweise das Logo des MDR prangte, so kommt jetzt ein Rapper namens MIMS um die Ecke, der nicht Besseres zu tun hat, als für das I in seinem Logo ausgerechnet Bushidos Silhouette von irgendeiner DVD zu klauen. Vielleicht wegen der ästhetischen Vollkommenheit? Vielleicht, weil er neulich in der Bravo gelesen hat, wie einsam Bushido doch ist, und er ihm so einen Gefallen tun wollte? Dass Bushido nun gleich eine Abmahnwelle startet und damit letztlich MIMS einen Dienst erweist, konnte ja keiner ahnen. Aber ersaufmerksamerjunge. Sowas muss man erstmal sehen.

Und nun auch noch der Wu Tang Clan. Eine neue Tour, ein neues Album, und wo wird es zuerst veröffentlicht? Jaha! In Deutschland! Nur böse Zungen würden jetzt behaupten, das liegt daran, dass man bei den einfältigen Europäern auch als abgehalfterter Raponkel (wenn man den Clan mal als eine onkelige Einheit betrachtet) noch Eindruck und Geld schinden kann. In Wirklichkeit, und wenn wir diese ständigen pessimistischen Selbstzweifel mal beiseite schieben, ist es doch so: Deutschland ist ne coole Sau. Alles spricht dafür. Sonst würden sich doch nicht so viele Menschen in unserem Glanz sonnen, alleine in den nächsten Wochen stehen Killah Priest, A.G., Das EFX, Lord Finesse, J-Live, der Autoschieber Xzibit und Beyonce, die olle Backgroundsängerin von Jay-Z, in Hamburg auf dem Plan. Nur, um dann zuhause damit angeben zu können. Und K-Solo heisst jetzt Wolfgang - Next Level Deutschland.

Um aber langsam zum Punkt zu kommen: Schon Dr. Octagon wusste, man kann "Mitteldeutscher Rundfunk" nicht ohne "Funk" buchstabieren. In diesem Bewusstsein tritt seit nunmehr fünf Monaten ein gebürtiger Belgier und Wahlhamburger jeden ersten Samstag den Beweis an, dass sich auch unsere oft als kühl verschrieene Hansestadt als Schmelztiegel für musikalische Styles bestens eignet. Noch viel besser: Hier kann man ganz weit vorne sein, während man woanders "cutting edge" noch bei Wikipedia sucht. Philarmonix spielt Musik, die auf der ganzen Welt zuhause ist, zwischen Schweden und Nigeria liegen oft nicht mehr als zwei, drei Platten, und die Urväter des Funk teilen sich randvolle Plattenkoffer mit der Speerspitze des Future Soul.

"Family. A Labour Of Love" geht in die fünfte Runde, Samstag, den 5. Mai im 13. Stock. Nix mit Beachclub, meine Lieben.

Posted by djmq