19.09.04
Forstwirtschaft
Lübeck Latenight - oder die Show die sich Anke Engelke nie getraut hat. Lübecker reden nie, grundsätzlich nicht und ausnahmslos! Ein ganz ein trockenes nordisches Völklein, dass sich da hinter dem Lübecker Tor versteckt, um so großartiger ist es bei einer Tagung dann doch auf einmal in einem Gespräch zu landen. Noch großartiger ist es, wenn der Gesprächspartner ein schwer betrunkener Forstwirtschafts Student ist - oder genauer gesagt werden will.
Für dieses Gespräch ist man natürlich erst bereit, wenn man zuvor durch eine Vielzahl pädagogischer Maßnahmen gegangen ist wie zum Beispiel: Soundball, Namensbörse, "Der Kamel-Schlachter", Chaosrally... Brainstorming in allen Lebenslagen (zum Beispiel auch Brainstorming zu einer Verneinung. Also: "Was ist nicht mein Projekt"!!!), UNO Kartenspiel mit zusätzlichen Regeln, Rock Alternative Party auf einem Schiff, Mappen Basteln, Essen ohne Geschmack, Traumreisen, Reise nach Düsseldorf (eine satanische Abwandlung von Reise nach Jerusalem)... nach dieser Safari durch kranke Phantasien dreier völlig durchgeknallter Seminarleiterinnen kommt es am Donnerstag Abend zum Äussersten - Sprechende Lübecker!
Der junge Mann hatte schon einiges gegen den Durst getan, bevor er mit einem Bier bewaffnet und seiner Geschichte auf den Lippen an unseren Tisch im heimischen CVJM Lübeck kam.
Er war Jäger, er war gebildet, er war verärgert.
Jäger war er weil er Tiere und den Wald liebt. Gebildet insofern dass zumindest er verstand, dass Tiere töten bedeutet Tiere zu lieben. Verärgert war er, da niemand seine Argumentation versteht. Lübecker haben allgemein ein Problem sich verständlich zu machen - am Montag hatten wir die Begegnung mit Frau Pfanne, die nicht zu erklären vermochte was sie eigentlich tut (5 Millionen... 1 Millionen, Häuser und Nigger - Vom Winde verweht in Lübeck), am Dienstag waren wir auf einer Rock/Alternative Party auf einem Schiff zusammen mit Freddy Krueger und Graf Drakulas Frau, am Mittwoch wollte DJ Ötzi uns für eine Schiffsfahrt auf der Trave gewinnen, und am Donnerstag war nun der Förster an der Reihe...
Also wenn man Tiere liebt so wie er, dann erschießt man am besten einfach seine Lieblinge. Denn Tiere verursachen Enthropie, oder Tiere verhindern Enthropie, oder Tiere essen Enthropie, oder Tiere brauchen Enthropie - klar ist zumindest, dass Tiere und Enthropie irgendwie auf den Hochsitz des Jägers gehören. Das Schönste war das Gesicht des Tierfreundes, während er mit kippender Stimme und Wahnsinn und/oder Tollwut im Blick erzählte was er mit den Tieren tut: "ich TÖTe das tier!!! und dann schleppe ich es nach hause und HÄNGE ES AN DEN BEINEN AUF UND NEHME ES AUS!" An diese Stelle hätte natürlich ein wahnsinniges Gelächter gepasst, aber da die eigene Vorstellung meist noch schrecklicher ist, durfte man es sich selber denken.
Dieser Mensch hat auf jeden Fall eine kranke Perversion was männliche Hirsche und Wildschweine angeht, gut möglich, dass er mit "Ich liebe Tiere" nicht nur das Gefühl sondern auch die Tätigkeit meint. Zumindest müssen wir bitte alle Hirsche erschießen, "die keinen Fick mehr kriegen". Denn "Wenn der Hirsch keinen Fick mehr bekommt, ist er über". Und wenn der Keiler es nicht mehr bis zur Besamung bringt, dann hinfort mit ihm!
Ausserdem hasst er Menschen, die zu viele Tiere töten, deswegen tötet er auch Tiere, um die Situation zu ändern. Und aus Liebe zum Hirschen (besonders zum männlichen) verzichtet er auf Hunde bei der Jagd, sondern schießt direkt auf den Kopf... da bekommt die Aussage "Ich liebe dich" eine ganz neue Bedeutung!
Die eine Dame, die das gleiche Seminar besuchte, und dem Gespräch beiwohnte war aber der Meinung, dass "es total gut für ihn ist, sich mal richtig aussprechen zu können". Der nächsten Dame fiel nach zwei Stunden auf, dass der gute Herr über Tiere genau das selbe sagt, wie die Nazis damals über Menschen. Das war der passende Ausstieg für mich aus dem Gespräch.
Lübeck ist schon großartig, Jäger im CVJM und schweigsame Menschen in merkwürdigen Klamotten. Der Modesinn der Lübecker Jugend ist unglaublich! Ich habe in Hamburg selbst in den abstrusesten Ecken noch nicht solche Kostüme gesehen. Ein wunder, dass Lübeck nur für Marzipan und nicht für Karneval bekannt ist! Der König der Styler hatte eine Kappe mit greller neon Aufschrift auf dem Kopf, über dem Pullover mit greller neon Aufschrift trug er eine Jacke mit greller neon Aufschrift, während die grellen neon farbenden Schuhe unter einer Hose mit greller neon Aufschrift hervor lukten. Ein wandelnder Regenbogen im Auftrag von Eminem, D12 und Usher.
Eigentlich kein Wunder, dass die Lübecker nicht viel reden...
Lübeck - ich liebe es!
Posted by Jazzket

|