27.07.07
Hallo
n Schweden würden auch Pinguine Schwedisch sprechen, was mich nicht wundert, da ich hier geboren wurde und mit den örtlichen Gepflogenheiten an sich vertraut bin. Als Exilschwede (exil svensk) spüre ich dennoch die Auswirkungen des Bottnischen Meerbusens am deutlichsten im Bahnhof von Norrköping, der wie eine Schnecke in der Mittagssonne regelmäßig ungesicherte Spiegeleier zum Bersten bringt und gleich nach meiner Ankunft für aufmunternde Ermüdung in ermatteten Knochen sorgt. Mika setzt mir einen Strohhut auf und verschwindet auf einem gemieteten Kraftrad, während ich zuerst meinen Lastesel auftaue und anschließend den sperrigen Hut in zwei mundgerechte Hälften zerlege, um sie gegen einen nicht gedeckten Scheck und abgelaufene Zwiebeln vom Stand der leichten Zigeunerinnen einzutauschen. Alles ist hier etwas kleiner und man schwebt nie auf Wolke Sieben, sondern höchstens auf Wolke Drei oder Fünf, je nachdem, welche gerade frei ist. Erst später erfahre ich, dass Mika eigentlich Marinetaucher ist und den Hut von seinem Schwager nur geliehen hatte, der ihn dringend für eine Tanzveranstaltung benötigt, da er - wie er selber sagt - bei Eheschluss mit Mikas Schwester ja eh schon die Katze im Sack (katt in säck) gekauft habe. Das Mofa hätte mich warnen sollen, doch nun wäre auch die stabilste Katze zu schwach, um mein Gepäck sicher durch Land und Leute zu schultern. Meine Dioptrien verabschieden sich und auch ich verlasse langsam die aufwendige Habachtstellung, was an meinem Alter liegt, das ich schon lange überschritten habe, ebenso wie den Rubikon, der kein Wässerchen trüben kann, welches man um diese Zeit genau wie die eigene Hand vor Augen nicht mehr erkennen könnte, auch wenn noch Licht am Ende des Tunnels brennt, das der letzte Nacken löschen wird, der wie ich nach zwei schwedischen Reisestunden Einfahrt in den unpompösen Geisterbahnhof von Norrköping halten will.
Seit meinem letzten Besuch haben die Baumeister der Stadt ihr Vorzeigeprojekt mit Pauken und Trompeten in Grund und Boden gerichtet und abwechselnd Glanz und Gloria in Schutt und Asche gelegt. Die soliden Holzstützen der Vorhalle sind durch Plastiksäulen aus magnetischen Kamelen ersetzt, die auf Knopfdruck heiße Butterflocken in die Hände der kalten Schweden streuen. Ein kleines Schild erläutert: Hier wurde der Begriff "Schwedenhappen" geprägt. Selbst Pinguine haben es nicht besser und die haben es eigentlich immer besser, zumindest wenn sie Schwedisch sprechen, das auf der Pinguinschule kein Pflichtfach ist.
Malte
Posted by Deutschlandfunk

hmm.. ein nachdenklich machender text. er wirft einen ganzen haufen fragen auf, die ihn aber nicht wirklich interessieren zu scheinen.. er weiss nicht so genau was er will, dein text, aber das tun wir ja alle, ne..:)
was bleibt, ist ein gefühl von katerstimmung, sommerfrische und verwirrung..
eine frage trotzdem: wieso kauft man bei eheshluss die katze im sack? ist das nicht eher bei eheschliessung der fall? ja, ist das nicht schon bei der eigenen geburt der fall?
ist nicht die ganze welt eine katze im sack?
und wäre das leben sonst nicht auch ein klein wenig langweilig?
Klasse, ich kann mir den Bahnhof richtig vorstellen.
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hmm.. ein nachdenklich machender text. er wirft einen ganzen haufen fragen auf, die ihn aber nicht wirklich interessieren zu scheinen.. er weiss nicht so genau was er will, dein text, aber das tun wir ja alle, ne..:)
Posted by: ulrich d. tersen at 27.07.07 12:38was bleibt, ist ein gefühl von katerstimmung, sommerfrische und verwirrung..
eine frage trotzdem: wieso kauft man bei eheshluss die katze im sack? ist das nicht eher bei eheschliessung der fall? ja, ist das nicht schon bei der eigenen geburt der fall?
ist nicht die ganze welt eine katze im sack?
und wäre das leben sonst nicht auch ein klein wenig langweilig?