02.12.04
Hello Darlings
Wo soll man nach 2 Wochen "Pause" anfangen? Ich habe jetzt aufgehört Überstunden zu machen, die meine gesamte Zeit gefressen haben, in denen ich das fragliche Essen der Theater-Kantine gefressen habe, um fragliches Theater zu betreuen, ganz so als wäre ich endlich im Zivi-Job angekommen, um intellektuellen Schmodder von den weitaufgerissenen Mäulern junger Theatermachern zu wischen. Aber halt, halten wir fest!
Auf Platz 4 der schönsten Dinge auf der Welt ist es ganz eindeutig sich mit zwei schwulen Theatermachern über New Yorker Käsekuchen zu unterhalten:
"Ihr müsst den Käsekuchen probieren!"
"Ja? Ist der so gut?"
"JA" "Ist das so einer..." "Der ist total sahnig..." "Oh ja?" "Ja" "Eingekackt?" "Ja!" "Mit so einem kalten Boden?" "JA" "Schatz! Wir müssen..."
Schon lange hatte ich keine so selbstlaufende Unterhaltung mehr durchlebt. Zuletzt vielleicht in einem Bunker unter dem Hauptbahnhof... (NICHTS wie es...) Das Gesichtspiel der beiden bei dem Wort "sahnig" war so wundervoll, flexibel und weich, dass man vermuten konnte, die beiden könnten mit ihrer Mimik auf einer Tastatur tippen. Nur leider können die beiden kein Theater machen. Aber wichtig ist ohnehin nicht das Stück, sondern nur die Ausrede beim Publikumsgespräch nach der Vorstellung.
"Die Charaktere in dem Stück waren sehr klischeelastig, war das Absicht?"
"Ja.", sagte eine Theatermacherin ohne mit der Wimper zu zucken.
Ich war verwundert, noch nie zuvor habe ich jemanden so kaltschnäuzig lügen sehen. Die Regisseurin hat einen derartigen Senf abgeliefert, dass Bibel TV ernsthaft über eine Anstellung der Dame nachdenken kann. Erstaunlich auch, dass die Dame, die sich sichtlich mit Essen auskennt, als einzige Essbares im Bühnenbild hatte, welches vom Produktionsetat bezahlt wurde. Noch cleverer ist es natürlich, das Stück kurzerhand umzuschreiben, so dass die ganzen Knoppers nicht mehr auf der Bühne gegessen werden, sondern hinter der Bühne verschwinden. Ich habe viel gelernt und wenig geschlafen.
Und in der Zwischenzeit wurden hier augenscheinlich Vermutungen über meinen Verbleib angestellt, besonders die Allegorie mit dem Bogen war sehr lustig zu lesen, da genau das Gegenteil der Fall war. Aber ich mag Raphühner...
Neulich war ich dann Passbilder knippsen lassen, da die Autoritäten mein Anlitz sehen wollen. Mein Ziel war es einen waschechten Mugshot ala James Brown abzuliefern, und die Haare habe ich auch hinbekommen, nur den Gesichtsausdruck nicht. Da zeigt mir die kleine Fotomaus die Bilder und mir fällt es wie Schuppen von den Augen, warum die Sekretärin in der Modelagentur damals die Polizei gerufen hat, als ich meinte: "Ich gehe nicht bevor sie mir ein Shooting vermittelt haben!" Jetzt wo Benetton nicht mehr auf Schock-Kampagnen setzt ist meine Model Karriere eher auf Eis gelegt. Muss ich mich wohl weiter um HamburgFunk kümmern... Aber man darf ja mal träumen...
Jazz is back!
Posted by Jazzket

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