01.06.08
Immobilien Scout? Wen lang?
Es gibt auf dieser Welt nur weniges, was so verwunderliche Züge wie die menschliche Partnersuche annimmt. Die Wohnungssuche ist so eine Sache. Nachdem die Partnersuche erfolgreich abgeschlossen und die Probezeit der Zweisamkeit überstanden ist, fehlt jetzt die Höhle mit genügend Beinfreiheit um gemeinsam die Abende an der eigenen Feuerstelle zu verbringen.
Man hat den Eindruck es gibt eklatant mehr Hamburger als Wohnraum - und noch schlimmer: mehr Makler als Vollbad + Balkon. Beamten sind schon ein schweres Kreuz an dem unsere Gesellschaft zu tragen hat, aber Makler sind noch ein ganz anderer Schlag. Spätestens im Internet-Zeitalter ist diese Sorte Mensch so überflüssig geworden wie die nächste Schlagzeile über Amy Winehouse.
Man sucht sich die Wohnungen selber raus, muss den obligatorischen Fragebogen selber ausfüllen und oft genug einen Stift mitbringen. Makler stellen nur schlechte Fotos und wahnwitzige Wohnungsbeschreibungen ins Internet. Da gibt es aussagekräftige Fotos von Zimmerdecken und Copy-Paste Stadtteilbeschreibungen, die Ohlsdorf zum pulsierenden Zentrum der Weltstadt Hamburg machen. Makler tun nichts, was nicht auch ein 10 jähriger Sonderschüler unter Sauerstoffmangel vollbringen könnte. Und am Ende gibt es dann eine saftige Courtage für die Anwesenheit und einen bemerkenswert häufigen schlechten Kleidungsstil. Wer nichts wird, wird Wirt - und wer immer die Getränke verschüttet versucht es als Makler.
Gott muss sich die Nummer mit den Maklern als Strafe ausgedacht haben, als er Adam und Eva beim Triebesspiel mit unschuldigen Schafen und minderjährigen Meerschweinchen hinter der Hecke der Verdammnis erwischt hat. "Na warte unwürdiges Menschengeschlecht! Ihr sollt eine fürchterliche Strafe verbüßen. Doch zunächst müsst ihr folgenden Zettel ausfüllen und bis morgen 10:00 Uhr an Jesus faxen!" Latent dämlich wie Adam und Eva waren und auf Anregung von Luzifer, haben sie den Bogen ausgefüllt und unterschrieben an Gott gefaxt. Das Urteil war gesprochen und der Berufsstand Makler war geboren.
Und so tingelt man heute im Tross der Suchenden von Wohnung zu Wohnung, und muss sich das Gewäsch anhören, was für ein Schmuckstück die überteuerten Vier Wände doch wären. Und dabei schwingt in jedem Gespräch mit den Maklern dieser Ton mit, der den Unsinn der Situation untermalt, wie die überhöhten Preise schlechte Moderne Kunst in 'coolen' Galerien. "Das Bad ist wirklich in einem sehr guten Zustand..." "Im Augenblick ist ja viel Müll auf dem Markt..." "Sie sehen ja selbst wie schön die Wohnung ist..."
Ja man sieht es selber. Makler und Möchtegernmieter wissen beide, dass man alles viel besser mit dem Vermieter direkt besprechen könnte und sowieso mit den eigenen Augen alles besser sieht. Trotzdem bekommt am Ende der Makler Geld und der Mieter noch eine Staffelmiete aufgebrummt.
Es geht aber auch anders. Neulich kam ich zu einer Wohnungsbesichtigung im milden Osten der Stadt und traf genau zwei andere Interessenten. Vielleicht hatte die Maklerin (an dem sehr fragwürdigen Kurzhaarschnitt im stets modischen Neon Rot gut zu erkennen) deshalb vorher telefonisch nachgefragt, ob ich auch erscheinen würde. Ein Makler der aktiv wird... Verdächtig!
Als ich die Wohnung betrat hatte ich sofort eine spontane Eingebung: Eine Leuchtreklame im modischen Kurzhaarschnitt-Rot flackerte vor meinem inneren Auge: "Teufelsaustreibung - genau hier - noch nicht lange her!" Kein Wunder, das die Maklerin so ungewöhnlich offensiv agierte.
Tatsächlich zeichnete sich die Wohnung durch eine Kälte aus, wie sie die Lebensmittelindustrie für hochwirksam Kaugummis anpreist, nur ganz ohne Minz-Geschmack. Die Noch-Mieterin hatte zur Straßenseite alle Jalousien heruntergelassen und ihre Wohnung lediglich durch ein Kreuz im Schlafzimmer und ein Jesus Bild im Wohnzimmer dekoriert. Immerhin hing Jesus über der Couch, so dass er auch Fernsehen schauen konnte. Das war aber auch alles an Barmherzigkeit, zu der sich die Mieterin im Stande sah. Auf die Frage wie so die Nachbarn seien kam ohne eine Sekunde zögern "MIT DEN NACHBARN HABE ICH GAR KEINEN KONTAKT!" Das hatte Nachdruck und bebilderte den Ausdruck Kaltmiete auf ganz neue Art und Weise.
Ich habe die Wohnung ganz spontan nicht genommen. Ich habe derzeit eh kein Faxgerät, mit dem ich den ausgefüllten Fragebogen zurück hätte faxen können. Jesus wird's verzeihen.
Posted by Jazzket

Jazzket du sprichst mir aus der Seele
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Jazzket du sprichst mir aus der Seele
Posted by: bAsTi at 02.06.08 17:34