06.07.07
Lebst du noch oder wohnst du schon?
Mit diesem Slogan müsste man eine Wohnungssuche in Hamburg verkaufen. Ich rede hier von Wohnungen. Ich verbitte mir von vornherein, hier auch von WGs oder ähnlichen an Sodom und Gomorrha orientierten Auffangbecken studentischen Geschmeiß berichten zu müssen. Wobei... das Prinzip WG überlebt ja immer häufiger auch die ärgsten Langzeitstudenten und zwingt immer mehr Menschen Ende dreißig dazu, zusammengepfercht in selbst ernannten In-Vierteln, das beschauliche und immer konservativer verlaufende Dasein zu fristen. „Don't get me started“ aber bald gibt es in der Schanze mehr Kinderwagen als Drogendealer und das empfinde ich als äußerst bedenkliche Entwicklung. Wenn die Kinder wenigstens schon in Rostock oder Heiligendamm Steine werfend aufgefallen wären, aber das Stramplerestablishment begnügt sich mit Milchkaffees und einer ganz eigenen Form der Revolution: Selber-Wickeln. Ich schweife ab...
Generell sind allerdings meine Erfahrungen, die ich mit so genannten Vormietern, sprich Personen, die das Mietobjekt vor mir verwohnt haben, auf einem ähnlichen Niveau anzusiedeln, wie Langzeittheologie- und Agrarwissenschaftsstudenten in potenziellen WGs oder Kinderwagen, die nicht als Drogenkuriere eingesetzt werden (Hat denn niemand außer mir Traffic gesehen und die Idee mal weiter gesponnen?).
Hier treffen Welten aufeinander.
Meine Karriere als Nachmieter begann viel versprechend. Ein Objekt im schönen Alsterdorf an der Grenze zu Winterhude und dem Stadtpark gelegen, zwang mich zu dem Kontakt mit Herrn Steinski (Name von d. Red. geändert). Herr Steinski war geradeaus. „Entweder du nimmst die ganze Scheiße, die drin ist oder ich reiß alles raus. Dann streich' ich auch noch die Wände weiß. Solche Spielchen lass ich nicht mir mir treiben.“
Herr Steinski hatte in mühsamer Kleinstarbeit die Wohnung mit farblich stark variierendem Teppich ausgerollt (von mehr kann nicht die Rede sein), die Wände mit den wildesten Restfarben bekleckert und den vorhandenen Gasherd in den Keller verbannt. Zuerst bot er an, diesen zumindest wieder an den eigentlichen Einsatzort zu schaffen und uns nur die Zuschneidung der Arbeitsplatte in der Küche zuzumuten, was sich aber wahrscheinlich in dem Moment änderte, als ihm klar wurde, dass er das Ding in relativ unsanfter Art in den Keller geschafft haben musste. Das gute Stück tat nämlich plötzlich angeblich nichts mehr und er stünde eh nur dort, weil er kaputt sei. Auf die Erinnerung an seine Zusagen folgte das oben eingeführte Zitat. Einige wenig aufschlussreiche und wirklich (un-)angenehme Telefongespräche später, die in der Regel einseitig beendet wurden, war klar, dass man einfach mit gewissen Menschen nicht reden kann und dass das eigentlich auch so besser ist.
Meine zweite Wohnung in der betriebsamen FUHLE direkt in Barmbek war ein Traum. Erstbezug. NUFF SAID!
Da mich nun gewisse Umstände wieder auf den Wohnungsmarkt geschmissen haben, darf ich mich derzeit wieder mit der Spezies Vormieter vergnügen. Meine bisherigen Erfahrungen waren dabei eher harmloserer Natur... Heute allerdings, mysteriöser Weise in meiner alten Nachbarschaft am Stadtpark angesiedelt, hatte ich eine Erscheinung. Die Erscheinung war um die 1,80m und ungepflegter als die Terminsektion. „Die Teppiche, die Schrankwand, den Zweisitzer kannste alles haben. Die Küche kriegst du auch komplett für 200€ inklusive des Kühlschranks.“ Willkommen auf dem Wohnungsbasar! Zu meinem Glück gab es keine tierischen Insassen, die mir mit angeboten werden sollten. Jemand wollte hier raus und zwar mit dem geringsten Aufwand. Liebevoll war das Wohnzimmer mit Tapeten ausgeschmückt, die schon Österreichs besten Postkartenmaler in den Wahnsinn getrieben haben müssen. Auch das kleinste Detail stimmte einfach. Die über tapezierten Heizungsrohre. Die fehlenden Messinstrumente an den Heizkörpern. Die profunde Kenntnis des eigenen Mietvertrags („Hundehaltung ist hier aber meines Wissens gar nicht gestattet. In meinem Mietvertrag...“ Im Hauseingang hing unübersehbar eine Nachricht an alle Hundehalter in der Wohnanlage...) und die absolute Kompetenz in Bezug auf alle erdenklichen Eigenschaften der Wohnung (Die Wohnung war angeblich 4 Meter hoch. Der Vormieter holte zum Beweis einen Zollstock hervor, der 2,75m zu Tage förderte.) standen außer Konkurrenz. Dies alles verschmerzt der erfahrene Wohnungssuchende aber noch ohne weiteres. Interessant wird es erst, wenn bei der Wohnungsbesichtigung das Klo geputzt und dieses auch noch wie folgt kommentiert wird: „Oh, was da alles hochkommt. Hab ich ja noch nie erlebt.“ Aber Nachsicht ist christliche Pflicht und richten darf sowieso nur das oberste Vernunftwesen, weshalb mich auch dies noch nicht komplett verzweifeln ließ. Sowieso war der Mensch ja eigentlich ganz okay. Hinter der Tatsache, dass die Einrichtung im wesentlichen aus einer Sammlung an Star Trek DVDs und Deko-Samuraischwertern bestand, versteckt sich sicherlich eines der ganz großen Genies unserer Zeit. Denn nicht umsonst wäre ich bereit, nach ihm seine Wohnung zu beziehen, während er seine DVD-Sammlung, sein Katana, sein Wakizashi und das dritte verbleibende japanische Brotmesser in die frisch gekaufte Eigentumswohnung karrt...
Posted by def dave

Hähähäähähähäh....ich hau mir an Kopf!!!
Warum kaufste dir nicht einfach ein Haus??? :)
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Hähähäähähähäh....ich hau mir an Kopf!!!
Posted by: D-Lam at 07.07.07 12:51Warum kaufste dir nicht einfach ein Haus??? :)