21.05.07 Lefties Soul Connection...

Wo soll man anfangen? Vielleicht am Ende, das da wäre, dass Lefties Soul Connection eines der stimmigsten Live Sets abgeliefert haben, das ich seit langem gesehen habe. Angefangen hat das ganze mit einem Kurztrip nach Berlin, bei dem ich es geschafft habe King Britt und Jazzanova, den legendären Soulrabbi im Lovelite, DJ Steinski im Bohannon und die Loudgraphix Ausstellung in einem Loft allesamt zu verpassen. Der kleine Ausflug in die große Stadt war aber nach mindestens 3 Wochen ohne freien Tag trotzdem nötig. Und gerade das Verpassen kann sehr trefflich die Akkus wieder aufladen.
Am Samstag ging es dann mit einem Taxi zum Busbahnhof. Bemerkenswert war dabei eine Art Taxi Highjacking, durch einen sympathisch dichtgedrogten Berliner Urtypen, der entweder derart dicht war wie die Bebauung in Steilshoop, oder mir einfach nur meinen Rucksack klauen wollte. Zumindest kam er zielstrebig auf das offensichtlich besetze Taxi zu, riss die Tür auf und fragte in die Runde, ob das Taxi frei sei. Ein letztes charmantes Augenzwinkern der hochgehypten Großstadt, um noch mal etwas mehr Vorfreude auf die hanseatischen Gefilde zu machen. Dazu gab es dann von dem Taxifahrer noch den freundlichen Touristenumweg kurz vor dem Ziel mit dem Kommentar: „Die bauen hier ständig um! Jeden Tag eine neue Straße.“
Dann aber ging es direkt in den Bus, gut gefüllt mit einem schönen Querschnitt durch die Deutsche Bevölkerung, was dem Odeur sehr zu gute kam, und auch für einiges an Unterhaltung an Bord gesorgt hat. Eine zickige Studentin mit ihrem Freund, der alles krass fand, und als Counterpart zwei kleine Proletten, die ein schönes Gegengewicht genau eine Reihe hinter der Bildungselite bildeten. Dazu noch eine Arzthelferin mit Begleitung im Liebesrausch gepaart mit einem arabischen Herren, der sich all der Fleischeslust ausgesetzt am Ende der Reise doch sehr überfordert sah. Auch toll ist es, wenn die zwei Hausfrauen vor einem als erstes Feature im Bus die verstellbare Rückenlehne entdecken, die bei Leuten über 1,90 m für viel Freude sorgen kann.
Nach drei Stunden Arthrose-Training kamen wir endlich am Hamburger Hauptbahnhof an, um direkt ins Mandarin Kasino zu fahren, wo wir ein lauschiges Plätzchen für unser Gepäck bekommen haben. Natürlich hatten wir auf der Fahrt eine Verrückte in der U-Bahn die ich mittlerweile zum dritten Mal getroffen habe, die mir jedes Mal mit einer anderen Masche ihre Visitenkarte aufschwatzt. Vor Jahren wollte sie ihre Tochter verkuppeln, und dieses Mal hatte sie Gästezimmer im Angebot. Ich versuchte mich mit Englisch aus der Situation zu lavieren, was zu einer recht merkwürdigen Biographie führte. Aus Australien, woher mein Akzent stammt, kam ich über den Umweg über Südafrika, was meinen Akzent weiter formte, nach London, von wo aus ich meine Deutsche Freundin auf der Reeperbahn kennen gelernt habe. Half alles nichts, es gab trotzdem ihre Visitenkarte, und dieses ekelhafte Gefühl das einfach überall Verrückte Menschen durch die Straßen laufen.
Aber all die Strapazen haben sich für das knackige Set von Lefties Soul Connection wirklich gelohnt, die den Mojo Club ganz wunderbar gerockt haben. Abgesehen davon wie gut die Band eingespielt ist, war ihre Show kurzweilig und mit einfachen Mitteln sehr abwechslungsreich und unterhaltsam. Von Cowbell Solo bis Tamburin Madness war es ein Feuerwerk der Hand-Percussion. Dazu zwei Gitarren, der unglaublich gute Drummer, Bass und Hammond Inferno erster Güte. Lefties Soul Connection sind eine Reise wert.

Anbei haben wir 4 neue Reviews aus dem Hause Masterquest, der hier während meiner partiellen Abwesenheit sich endlich mal seines News Accounts angenommen hat und ungeschlagener Meister des Contents ist.

Posted by Jazzket