09.11.04
Liebe Welt,
Die Verwunderung liegt in der Luft. Ich kann mich von der Hoffnung nicht lösen, dass am 11.11. in Köln auf der Karnevalsbühne endlich gesagt wird, die Wahl in den USA sei nur ein großartig inszenierter Streich gewesen. Denn irgendwie ist das Ergebnis ja wider der Vernunft. Und wenn es die Kölner Jecken nicht waren, dann vielleicht die Amerikaner selber, die nur noch kurz auf den 1. April warten um zu sagen, dass es alles nur son kleiner Spaß war. Und Spaß muss ja sein.
Und angenommen es handelt sich bei der Wahl in den USA um keinen Spaß. Wäre dann nicht die Revolution unumgänglich? Wo sind die Leute auf den Straßen. Aufgebrachte Studenten, die es ernst meinen - also nackt sind. Nacktheit ist ohnehin für eine ernsthafte Demonstration wichtig. Die islamischen Fundamentalisten zünden sich an, westliche Demonstranten ziehen sich aus. Immer wenn eine Demo an mir vorbei zieht, checke ich nur kurz ob da ein paar Nackte bei sind, um zu sehen ob es ernst ist, mit der Demo. Vermutlich scheitert die heutige Protestkultur an ganz simplen dingen. Wie soll man auch demonstrieren, wenn man keine Protest-Lieder mehr hat? Was wäre das heutige 'We Shall Overcome'? 'Come on over' - von Christina Aguilera feat. Fred Durst? Come on... So ein Protestsong muss schon wirklich populär sein. Da bleibt eigentlich nur das neue Jamba Monatsabo. 200 000 Menschen im Sternmarsch auf den Bundestag in Berlin imitieren 'bekloppte Frösche' oder 'russische Orgamsen', und Scooter spielt auf der Kundgebung... Klingt derbe scheiße. Bei heutigen Protestzügen müssten die Sanitäter nicht etwa Opfer der Staatsgewalt versorgen, sondern Hörsturzpatienten. Vermutlich haben die Mächtigen mit Absicht unsere Musikkultur so ausgedünnt, dass wir protestunfähig sind. Denn jede erfolgreiche Bürger- oder Studenten-Revolte hatte einen geilen Soundtrack. Und wir haben nur Scheiße in den Ohren, also folglich auch in den Köpfen.
Und wie früh das mit der Scheiße in den Köpfen anfängt - Respekt! - wenigsten eine Sache geht schnell in diesem Land. Wenn auch nur der Verfall.
Auf der Jagd nach Nahrung fabuliere ich durch den Supermarkt, in meiner unverkennbaren E-Borough Hoodregulator Art, da huschen zwei Kinder zwischen zwei Regalen hervor. 7 und 5 Jahre jung, sammeln die beiden Geschwisterchen Unterschriften (für oder gegen Waale - man weiß es nicht). Die Beiden haben eine kleine Kompetition am laufen. Schwesterchen 7 Jahre jung, triumphiert ihrem Brüderchen entgegen:"Ich habe schon 7 Unterschriften!" Brüderchen darauf:"Fack!"
JawollJa! Denke ich mir, man kann überhaupt nicht früh genug mit dem Denglisch anfangen. Problematisch nur, dass ich Kinderblicke jetzt vollkommen anders wahrnehme. Denn etwas später am gleichen Tag streift eine Kindergarten Gruppe (vermutlich auf der Suche nach billigen Drogen und schnellem Sex) an mir vorbei. Und Kinder glotzen mich immer an, weil ich halt etwas größer geraten bin. Nur lese ich mittlerweile in ihren Blicken eher so Sätze wie: "Holla back Bitch!" oder "Shut the *uck up - this is my hood" oder "N!gg* please!". Und so war ich kurz davor die Kindergärtnerin anzuschreien "Ey yo Byatch, stop that bull, me don't gon' play a'round deez parts offa hood - move!" - Hab ich aber dann doch nicht gemacht. Ich will ja nicht verhaftet werden, bevor ich den Eddie Piller vs. Dan D. Battle am Freitag im Mandarin 'gewittnessed' hab.
Posted by Jazzket

|