05.04.08
Macbook suicidal
Tage wie dieser 1. April bleiben einem nicht lange im Gedächtnis, obwohl sie doch so vieles verändern können. Weichen werden gestellt. Menschen sterben. Aber ich sollte die ganze Scheiße von Anfang an erzählen...
Gemäß meines angestammten Tagesablaufs lief ich irgendwann gegen halb vier Uhr nachmittags, kurz nachdem ich aufgestanden war und gerade noch Zeit zum Duschen gefunden hatte, zusammen mit meiner tierischen Begleitung in der Einsatzzentrale des Team HamburgFunk, im Tigga Cave, ein. Mein Hund war das einzige Mittel, den übermäßigen Drogenkonsum der Kollegen im Zaun zu halten, da das hypnotische, ewige Schwanzwedeln des treuen Vierbeiners zumindest Kevin-Arnolds Koksleiden und Marie-Jacquelines zwanghaftes Kleber schnüffeln kurzzeitig zu unterbrechen vermochte.
„Crispy Chicken, Block Burger, Fresh Lemon, Texas Mc...“ tönte es mir entgegen. Lord Jazzket Namesi I. und Prof. Dr. DJ Master Bachelor Quest diskutierten der Uhrzeit entsprechend wieder mal übers Essen. „McDiät“ dachte ich und versuchte möglichst ungesehen und ungehört an meinen Arbeitsplatz und meinen EEE PC zu huschen. Stattdessen fand ich nur einen Zettel vor.
„Die Redaktion hat einhellig beschlossen, dass es der Arbeitsstimmung zugute käme, wenn du endlich den Move zu einem Macbook machen würdest. Dank der kompakten Bauweise deines alten Rechners konnten wir ihn schnell über den Aktenvernichter entsorgen. HamburgFunk heißt eine Philosophie leben...“
„Na sauber!“ dachte ich. Waren doch auf meinem Lieblingsgadget Bootlegs der nächsten drei Erykah Badu Alben, Foreign Exchange II, das J*Davey Album und begleitend die entsprechenden schon vorverfassten Reviews, sowie exklusive Fotobeweise über Textblätter von Jay-Z gespeichert gewesen. Doch das Geld kam auch immer ohne vorweisbare Ergebnisse, also war es nicht mein Verlust und Preis-Leistung sei dank hatte ich noch drei weitere EEE PCs auf Vorrat in meinen Schubladen liegen. „Die können mich... Fight the Power!“ dachte ich.
„Kannst du mal kurz zu Burger King, McDo, Hessburger, Jim Block und der Hollywood Canteen was zu Essen holen? Aber McDo und Burger King am Ende der Runde! Weißte ja, dass Eis schmilzt sonst...“ rumorte es hinter mir, während ich EEEve No. II (Ich neige dazu, meinen Rechnern Namen zu geben.) auf die viel zu große Schreibtischfläche drapierte.
„Macht ne Liste fertig und ich kümmer' mich drum!“ raunte ich in meiner gewohnt aufgeschlossenen Art zurück.
Man setzte mich darüber in Kenntnis, dass ich einfach jeden Burger auf der Karte in zweifacher Ausführung zu bestellen hätte, da es die neue Rubrik „Soulfood Reviews“ einzuweihen galt.
Ich müsste auch nicht alles alleine tragen. Unser neuer Mitarbeiter David, der verdächtig nach einem Alkoholproblem aussah, würde sich um die Logistik kümmern, während ich nur Gesicht zeigen müsste, da allein schon die Vorstellung, wie der Büro-Somali Unmengen an Burgern ordert, in der Chefetage für Verzückung sorge.
„ Hassel the Hoff!“ rülpste der Mann mir entgegen, der als Packesel ausersehen war und ich wurde das Gefühl nicht los, dass dieser Kerl in seinem Leben mindestens soviel für pubertierende Jungs geleistet hatte wie Hugh Hefner. Dies wiederum half mir nicht gerade dabei, ihm die Hand zu geben, um ihm aufzuhelfen, schließlich lag er halb vollgekotzt auf dem Redaktionsteppichboden. Ich kam mir den Rest des Tages schmutzig vor. Allerdings begleiteten mich auch verwirrende Gedanken an Frauen in roten Badeanzügen und schwarze Autos. Ich schob es darauf, dass ich in der Nacht zuvor vor MTV Urban eingeschlafen war. „Bestimmt ein neues Gucci Mane Video!“ dachte ich.
Mäßig motiviert schlurfte ich aus dem Büro. Endlich war alles an Burger abgegrast. Zu meiner Überraschung gab es zu jedem Texas Mac an diesem Tag gratis einen Winchester Colt. Aber Promotion war noch nie mein Steckenpferd gewesen und mein XDA wies mich darauf hin, dass ich meiner Geheimidentität als Student nachzukommen hätte. Nach ein paar einfachen Instruktionen verließ ich „Hassi“, wie ich David der Hackordnung halber inzwischen getauft hatte, um den Drogenhund noch vor der Uni zu Hause absetzen zu können, weil sie im letzten Semester wegen nicht gezahlter Studiengebühren exmatrikuliert wurde. Der Traum vom ersten promovierten Hund war damals gestorben. Dabei war sie der am hellsten leuchtende Stern am Himmel der HfBK gewesen...
Wieder im Tigga Cave angekommen, bot sich mir ein Bild der Verwüstung. Robin-Petrick, wie er mir mitteilte der Nachfolger Kevin-Arnolds, offensichtlich hatte man ihn über Kevin-Arnolds Dealer gescoutet, bat mich darum, auf meine Schritte zu achten. Man sei sich nicht sicher, ob man alles erwischt hätte.
"Pass auf, dass ich dir keine wisch!" entfuhr es mir, während mein Ellbogen einen bleibenden Eindruck in seinem Gesicht hinterließ. Der Hunger machte sich breit in mir und machte mich ungeduldig. Sicher waren noch Burger übrig und die Mikrowelle des Büros war definitiv Burger-kompatibel.
In der Teeküche traf ich auf Lord Jazz und DJ Magister Artium Quest. Etwas machte mich stutzig. Es wurde nicht übers Essen geredet, weswegen ich gezwungenermaßen das Gespräch suchte.
"Sind noch Burger da?" fragte ich, da mir nichts besseres als Eisbrecher über die Lippen kam.
Beide leckten noch kurz die Löffel ihres eigenen Eises ab, sahen sich kurz etwas verstört an und begannen dann abwechselnd und wie abgesprochen zu antworten.
"David kam hier vor circa drei Stunden an..." begann Thelonius Jazz "... er war so gut gelaunt, weil wir doch die Rechte an Knight Rider gekauft hatten." ergänzte Quest. "Jedenfalls, naja, jedenfalls war Kevin-Arnold irgendwie..."
"....irgendwie schlecht drauf. Als ob er gestrecktes Zeug geschnupft hätte oder..."
"... oder schlimmer noch, als ob er nüchtern wäre. Während die beiden uns die Burger anrichteten,..."
"Sind noch welche da?" fragte ich entnervt, aber die beiden waren wie in McTrance.
"... anrichteten, kam es irgendwie zum Streit. Kevin-Arnold meinte, dass..."
"...ja, dass David seinen Wagen nicht im Büro parken dürfe, nur weil er einen Supercomputer implementiert hätte und..."
"... und dass er sich gemäß der Firmenpolicy ein Macbook anschaffen möchte. Ob er möchte oder nicht..."
"Dieser Bastard!" dachte ich. Mir stiegen Freudentränen in die Augen, da scheinbar ein Konflikt zu seiner Entlassung geführt hatte.
"Also habt ihr Kevin-Arnold endlich gefeuert. Dieser Apple-Nazi war aber auch echt nicht tragbar. Der hat mit meinem Gehaltsscheck Koks geschnupft und..." Man unterbrach mich.
Die beiden fassten zusammen, dass der Streit außer Kontrolle geraten war. David griff in eine der McDo Tüten und eröffnete das Feuer auf Kevin-Arnold, der laut aufschreiend, den Verlust seiner Nasenscheidewand beklagend, zu Boden ging, obwohl ihn die Kugel nicht mal gestreift hatte, da David immer noch Knülle war. "Phantomschmerzen!" meinte Jazz.
Trotzdem griff nun auch Kevin-Arnold nach einem der Colts und schoss wie wild die Trommel leer und traf dabei im Wesentlichen nur Jazz's Macbook und Quests kombinierte Flyer-, Schallplatten und Waffelrezeptsammlung. Über die Zerstörung des Macbooks geriet Kevin-Arnold so in Verzweiflung, dass er sich mit den Resten des zerstörten Gehäuses die Halsschlagader aufschlitzte, dass sich sein Blut nur so über den noch von Davids Kotze siffigen Teppich ergoss. David hingegen, der sich in seinem schwarzen Pontaic Trans Am verschanzt hatte, ballerte ziellose umher und vergaß darüber wohl, dass dieser Wagen kugelsicher war. Ein Querschläger durch seinen Kopf tötete ihn und verteilte die auffallend wenige Gehirnmasse gleichmäßig auf der Heckscheibe, während ein weiterer Querschläger den Turbo Boost auslöste, um den Wagen inklusive Davids Leichnam aus dem Büro zu katapultieren.
Robin-Petrick betrat mit einigen Pizzakartons die Teeküche und verkündete den Casting-Termin für "Knight Rider - The Musical", aber das ist eine andere Geschichte...
Posted by def dave

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