22.12.05 OP-Player

Nachdem lustigen Weg zum OP-Saal werde ich Zeit meines Lebens kein Geld mehr für Achterbahnen oder ähnliches ausgeben. Der Bauchkrampf verwirrt noch die Sinne, die Schwester rasiert den Bauch, und bestimmt auch was ganz freches eine Etage tiefer, und dann geht es los. Die Sicht gen Decke, das Bett im Sauseschritt, mit dem Fahrstuhl in die Hände der Anästhesie . Dort begrüßen einen dann zwei vermummte sterile Damen, die sich noch mal kurz für die Lebensgeschichte und Drogenkarriere interessieren. Und jetzt wird es deutsch:
Am linken Arm werden die Maßnahmen eingeleitet, per Braunüle gibt es Betäubungsmittel. Aber ähnlich wie bei Hartz 4 und Agenda 2010 sind keine Wirkungen zu erkennen, nur Schmerzen im Handrücken. Die Krankenschwester, stellvertretend für die Politik, entschuldigt sich. War nicht so ganz gelungen. Und dann geht es wirklich sinnbildlich zu. Es wird Banane versprochen, zumindest soll das Betäubungsmittel für den Rachen so schmecken. Wie bei der Deutschen Einheit, ist das leider etwas zu viel versprochen. Aber immerhin, das Mittel erfüllt seinen Zweck. Und ganz so als würde eine Parallele zur Globalisierung gesucht, bekommt man noch eine Magensonde verabreicht. Dafür war auch die Banane nötig. Der Schlauch mit der Sonde wird durch das rechte Nasenloch befördert. Klemmt aber leider (Schröder). Alternativ geht es jetzt durchs linke Nasenloch (Große Koalition). Der Patient, stellvertretend für das Volk, muss jetzt schlucken was ihm in den Rachen getrieben wird. Immerhin beginnen die Betäubungsmittel zu wirken. Die zwei Krankenschwestern sehen aus wie Kermit der Frosch und alles wird ein bisschen duselig. Die Atemmaske soll jetzt noch den Rest erledigen. Mit über 1,90 Körpergröße verträgt man aber leider so viel von dem schönen Zeug was da in die Vene gepumpt wird, dass es noch ein bisschen dauert, bis man völlig weg ist.
Also wird noch etwas mit den zwei lustigen Fröschen geredet. „Denken sie an was Schönes!“
Gute Idee. Man liegt da mit Schmerzen in der linken Hand. Beide Nasenlöcher schmerzen von der Sonde, und der Blinddarm steht kurz vor dem Durchbruch, was eine Teilnahme am Endspiel bedeutet. Und jetzt soll man an was Schönes denken. Der Blick starrt an die Decke des OP-Saals. Der erste Gedanke: Ex-Freundin gildet nicht. Verdammt ich bin Deutscher! Mir fällt es wesentlich leichter mich zu beschweren, zu mäkeln oder zu meckern. Ich kann nicht einfach da liegen und an was Schönes denken. Die Augen fallen zu... aber sie öffnen sich wieder... Lustig die beiden Frösche... „Denken sie an was Schönes!“ „JA, verdammt!“ „Draussen ist es so kalt.“ „ja“ „Es ist heute so kalt geworden“ Moment, war die Abmachung nicht, dass ich an was Schönes denken sollte? Was ist am Kälteeinbruch schön? Schneechaos, Stromausfall und künstliche Hüften sind gleichbedeutend mit Kälteeinbruch. Die Schwester muss irgendwie aus Russland gekommen sein, oder sie wollte mich noch ärgern. Aber anstatt Aufregung gab es jetzt tatsächlich Schlaf.

P.S.
Ob die Schmerzmittel wirken erkennt man daran, dass man der festen Überzeugung ist, Barney der Dinosaurier wäre die Nachtschwester. Am Morgen nach der Operation war mein erster Gedanke: Du musst ein Update schreiben, darüber dass Barney ein cooler Motherfucker ist und immer noch derbe down to earth.

Posted by Jazzket