28.09.07
Slum Village Revue
HipHop Konzerte sind immer ein wenig wie eine Pokerrunde. Ein geselliges Beisammensein im ausgewählten Kreise, bei dem man nie weiß, wann die Könige kommen oder ob man vorher doch noch ein paar schlecht gekleidete Sechsen und Vieren serviert bekommt. Man sollte immer sein Risiko kalkulieren, ob man den Einsatz nur für den Flop bezahlen will oder an dem Abend doch lieber ein kurzweiliges Magazin auffaltet. Spätestens bei einem Konzert bleiben Image Rapper flach wie Spielkarten, wenn sie statt ausgefeilter Studiotechnik, mit ihren Hypemen eine Urschreitherapie präsentieren.

Zum Glück waren Slum Village und Phat Kat ein kleiner Lottogewinn. Es ging für HipHop Verhältnisse recht pünktlich los und Phat Kat, in der Rolle des Opening Act, nahm die kleine Bühne in Beschlag. Ich war positiv überrascht wie viele Leute im Publikum tatsächlich mitrappen konnten, und auch Phat Kat hatte sichtlich seinen Spaß. Obwohl sein Mic ein paar Probleme machte, überzeugte er mit Charisma, Technik und Detroit Beat-Kulisse von ganz oben. Es war schön zu sehen, dass das Publikum zum Feiern gekommen war, und auch Phat Kat gefeiert wurde. Er brachte selbstverständlich seine Klassiker wie „Featuring Phat Kat“ und „Nasty ain’t it“ und holte am Ende Elzhi für "Cold Steel" auf die Bühne.
Daraufhin war es dann auch soweit und DJ Dez machte es sich am DJ Pult bequem, um dann mit dem ersten Track T3 aus der Garderobe zu rufen. Bemerkenswert war es, wie locker T3 und Elzhi die Mic Probleme während der ersten paar Tracks durch galantes Abwechseln umgingen. Eigentlich ist dieser Moment ein Knackpunkt für viele Konzerte, bei dem so einige Künstler (BKMC TK z.B.) die Lust an der Show verlieren und der Rest des Abends aus Beschwerden über die Technik besteht.
Doch Slum Village haben sich auf die alten Zeiten besonnen, und wie im Jugendzentrum mit nur einem Mic die Show gerockt. Sehr sympathisch, und ein Indiz dafür wie gerne SV live spielt. Und so erstreckte sich das Set über Slum Village Klassiker, bei denen Elzhi die Parts von Jay Dee und Baatin übernahm, bis hin zu den Stücken von den letzten beiden Alben, die Elzhis Qualitäten als MC so wunderbar demonstrieren. Leider ist es selten, dass man auf einem Rap-Konzert tatsächlich die MCs verstehen kann, aber dieser Abend war einer dieser Ausnahmen, und eine wunderbare Freundschaft zwischen Slum Village und dem Publikum konnte sich entfalten.

Als das Set sich so langsam dem Ende neigte, war T3 doch eine gewisse Müdigkeit anzumerken, die glaube ich noch weitere Zugaben verhindert hat. Aber Elzhi und Phat Kat hatten Blut geleckt und wollten gar nicht mehr von der Bühne gehen, die allerdings etwas zu tief war, damit auch die letzte Reihe wirklich etwas von den MCs hätte sehen können. Man sollte im Neidklub tatsächlich die Künstler nach ihrer Körpergröße fragen, um gegebenenfalls noch mal einen Meter Bühne draufzulegen. Aber der kompakte Club bot mit seiner guten Anlage und den flashigen LED-Installationen eine hervorragende Location für eines der besten Konzerte des Jahres! Zumindest für Slum Village Fans.

Posted by Jazzket

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Superfotos auch!
Posted by: Olski at 15.10.07 10:53