30.01.07 Wahre Magie

Selbst der Spiegel hat einen Artikel über das äusserst merkwürdige Mos Def Album Tru3 Magic auf seiner Website veröffentlicht. Wir haben seinerzeit zwischen Weihnachten und Neujahr eine Promo Kopie bekommen, die auf den ersten Blick etwas enttäuschte. Eine gebrannte CD mit Handschrift, die zumindest keinem Künstler gehörte. Das gleiche gilt irgendwie auch für das Album, wobei die Version in den Läden eigentlich noch ärmer ist. Eine Plastikhülle mit einem Aufkleber auf dem vor illegaler Vervielfältigung gewarnt wird, ansonsten nur eine bedruckte CD. Keine Infos, keine Tracklist.
Ich habe an einigen Stellen schon gelesen, wie begeistert devote Fans über diesen Purismus sind, aber es gibt einige MP3 Alben die mehr Platz auf dem I-Pod verdient haben als Tru3 Magic, und die kostenlos zum Download angeboten werden (Chrome Children Vol 2 und Liberation zum Beispiel, oder das Black Milk Mixtape, und wahrscheinlich auch das Little Brother Mixtape, das im Februar ins Netz kommen soll). Tru3 Magic ist ein Dealbreaker wie er im Buche steht. Mos Defs letztes Album für seine alte Plattenfirma. Es klingt weitläufig uninspiriert und unvollendet. Viele ähnliche Flows, der schlechteste Mastering-Job seit es Schokolade gibt und Songs und Beats die die Welt nicht braucht. Klingt eigentlich nach einem durchschnittlichen Dirrty South Album, ist aber für Mos Def Fans eine herbe Enttäuschung, und definitiv nicht das Geld wert, was man im Laden dafür hinlegen soll. Einzelne Songs bieten echte Mos Def Qualität, aber die Skip-Taste ist wichtiger Bestandteil des Album Erlebnisses. In den USA ist das Album später als in Europa erschienen und vermutlich gleich wieder vom Markt genommen worden. Jetzt ist eine neue Version mit Booklet und lauter anderen unpuristischen Dingen, die den Kauf eines Tonträgers so richtig wert machen, angekündigt. Eigentlich ist das die schlechteste Nachricht von allen, könnte es doch bedeuten, dass Mos Def sich weiter mit einem Label beschäftigen muss, dem er so ein desolates Album in die Hände legt, dass selbst Universal Journalisten darum bittet, das Album nicht weiter zu erwähnen (und eine Woche später schreiben wir drüber...)

Aber wie konnte es überhaupt dazu kommen?

Um die Jahrtausendwende formierte sich die neue Native Tongues Bewegung um The Roots allesamt bei einem Label: MCA. Dort erschienen die Meilensteine „Things Fall Apart“ und „Like Water for Choclate“. Großer Erfolge, die den richtigen Leuten bei MCA den Rücken stärkten und so entstand das ‚Motive’ Sub-Label, das sich fortan um die Neo-Soul Bewegung und die Geschicke der erweiterten Roots Crew kümmern sollte. Doch bevor es dazu kam löste sich die Mutterfirma MCA auf und alle Acts suchten eine neue Heimat, oder wurden von Geffen geschluckt. Im Falle von The Roots bedeutete das eine Rückkehr zu dem Label, dass sie so glücklich verlassen hatten. Für Mos Def bedeutete es eine neue Heimat, die nichts mit seiner Musik anfangen konnte. Schon das letzte Album „New Danger“ war ein riesiger Kompromiss. Eigentlich wollte Mos Def ein ganzes Album mit Black Jack Johnson Material veröffentlichen. Nach langen Streitigkeiten kam dann das etwas unentschiedene „New Danger“ raus. In diesem Label Chaos ist sogar ein ganzes Jay Dee Album verlorenen gegangen. Das bereits vollendete Album bestand aus Songs auf denen Dilla über Beats diverser Produzenten rapped. Die Rede ist also nicht von Ruff Draft, das demnächst auf Stones Throw erscheint (fantastische erste Single „Wild“ übrigens), sondern von einem anderen Projekt. Aber mein Gefühl sagt mir, dass dieses Album auch bald den Laser des CD-Players erblicken wird.

Das Internet munkelt, dass Mos Def auf seinen eher seltenen Konzerten komplett anderes Material performed, als auf Tru3 Magic zu finden ist. Dieses Material soll die gewohnte Qualität haben und hält die Hoffnung auf eine Rückkehr eines der besten MCs der letzten 10 Jahre am Leben...

Posted by Jazzket