Wenn man Liebe für Funk, Soul und Jazz der 60er und 70er Jahre in sich trägt, liegt es in der Natur der Dinge, dass man heute, rund vier Jahrzehnte nach dieser Zeit, von immer mehr prägenden Künstlern Abschied nehmen muss. In den letzten Tagen starben drei Musiker an Krebs, an die Hamburgfunk hier erinnern möchte.
Wilson "Willie Tee" Turbinton stand nie in der ersten Reihe der Funk- und Soul-Szene von New Orleans, aber das reichhaltige musikalische Erbe der Stadt mag da auch den Überblick erschweren. Willie Tees Band, The Gaturs, gehörte in den späten 60ern zweifellos zu den innovativsten Kräften des New Orleans Funk, obwohl sie außerhalb der Stadtgrenzen kaum wahrgenommen wurden. Singles wie "Gator Bait" und "Cold Bear", die auch auf diversen Samplern zu finden sind, zeigen rohen, sumpfigen Funk, der auch Willie Tees Wurzeln im Soul nicht verleugnet.
1973 entstand mit Willie Tee als Songwriter und Arrangeur sowie mit den Gaturs als Backing-Band das Debüt der "Wild Magnolias": Das Album, das New Orleans Funk mit der Tradition der Mardi Gras Indians vereinte, ein unumstrittener Meilenstein.
Eine seltsame Querverbindung tut sich auf, wenn man liest, wie Cannonball und Nat Adderley dafür sorgten, dass Willie Tees erstes Soloalbum 1968 bei Capitol erschien: Zu dieser Zeit saß ein gewisser Josef Zawinul aus Wien in Adderleys Quintett am Piano, für den dieser frühe Funk ein nicht zu leugnender Einfluss war.
Joe Zawinul, der am 11. September 2007 im Alter von 75 Jahren in Wien starb, ging von Cannonball Adderley zu Miles Davis, um mit ihm "In A Silent Way" und "Bitches Brew" aufzunehmen (für letzteres komponierte er "Pharaoh's Dance"). Es ist schwer, die Tragweite dieser Aufnahmen und der Pionierarbeit Zawinuls am E-Piano einzuschätzen, fest steht aber, wie wichtig der Wiener für die Phase des "Electric Miles" war.
1970 gründeten Joe Zawinul und Saxophonist Wayne Shorter, die beide zuvor für Miles Davis gespielt hatten, Weather Report, die weit über ein Jahrzehnt lang Jazz, Funk und Rock näher zueinander brachten.
1991, kurz vor Miles Davis' Tod, spielte Joe Zawinul in Paris sein einziges Konzert mit Miles Davis: "In A Silent Way", mit Wayne Shorter.
Gestern, am 12. September 2007, starb im Alter von 73 Jahren Bobby Byrd - Gründer der Famous Flames, Entdecker und langjähriger Weggefährte von James Brown, Ehemann von Vickie Anderson. Der Mann, der James Brown damals aus dem Knast auf die Bühne geholt hat, bildet auf Stücken wie "Sex Machine" oder "Get Up, Get Into It, Get Involved" den stimmlichen Gegenpart zu Brown und nahm unter dessen Regie auch klassisches Solomaterial auf. Besonders "Hot Pants... I'm Coming, I'm Coming, I'm Coming" und "I Know You Got Soul" wurden als Samples in der Golden Era des Rap Ende der 80er Jahre unsterblich gemacht.
Hier ist Bobby Byrd in der James Brown Revue, 1968: "Soul Man".