03.04.08
Wie Kevin-Arnold den 1. April rettete
Liebe Leser, liebe Veranstalter, liebe Freunde.
Es war ein ganz normaler Tag im Großraumbüro der Hamburgfunk-Redaktion. Zumindest dachten wir das. Wie so oft saß ich um 8.30h an meinem Schreibtisch, nachdem ich pflichtbewusst die wichtigsten acht Veranstaltungen der Dienstagnacht besucht und danach gute zweieinhalb Stunden geschlafen hatte. Ich goss noch etwas Red Bull in meinen Double Iced Ginger Macchiato, den mir unsere Praktikantin Marie-Jacqueline zubereitet hatte, gähnte leise und legte gerade das Handelsblatt beiseite, um online den Kulturteil der Sun zu lesen, als Def Dave den Raum betrat. Marie-Jacqueline tänzelte ihm entgegen, wünschte einen guten Morgen und nahm ihm den schweren Mantel ab. Leise war das Klacken der Schlösser seines Aktenkoffers zu hören, fast vollständig übertönt von den Goldberg-Variationen von Aphex Twin, die ich morgens so gerne höre.
"Peace", sagte Dave.
"Tach", sagte ich. "Wieso so spät?"
"Ach hör mir auf."
Marie-Jacqueline stellte Dave eine dampfende Tasse Ovomaltine und eine Schale frischer Kirschen auf den Tisch.
"Danke, Liebes. Ich habe verschlafen, weil ich gestern Abend noch so lange bei dieser Kunstinstallation war."
"Ach, das Ding mit den vierzehn Kassettenrecordern, vier Stühlen, mit den Büroklammern…"
"…und dem Lama, ja. Krasser Scheiß, ich sags dir. Naja, und zuhause… du weisst ja."
"Jaja."
Nur kurz blickte ich in Marie-Jacquelines Richtung, die gerade den Rhododendron abstaubte. Durch das Fenster hinter ihr sah man die Alster in der Morgensonne glitzern. Die Tür ging wieder auf, und herein kam unser Textpraktikant Kevin-Arnold, der täglich bis etwa 16.30h die eingehenden Termine chronlogisch, alphabetisch und nach künstlerischem Anspruch vorsortiert und danach in unserem Namen die Termintexte verfasst, die uns dann in der täglichen Redaktionssitzung um 16.45h vorgelegt werden. Nervös blickte er auf das verglaste Chefbüro, dessen Tür halb offen stand.
"Ist Lord Jazz noch nicht da?"
"Nö."
"Ich glaube, ich habe ihn gerade vor einem Feinkostladen am Jungfernstieg gesehen. Das war total seltsam."
Doch noch bevor er weitersprechen konnte, flog hinter ihm die Tür auf und Lord Jazz stürmte herein, so schwungvoll, dass seine Assistentin Agnetha mit den schweren Einkaufstüten kaum hinterher kam. Unwirsch warf er sein goldenes Vlies in die Ecke, knallte eine Mappe mit Papieren auf den Tisch und rief:
"Guten Morgen, meine Lieben! Agnetha, auspacken!"
"Aber… Lord… soll ich?" stammelte Agnetha. Sie war noch nicht lange bei uns und nestelte nervös an ihrer Bluse.
"Nein, die Einkäufe!"
Agnetha stellte erleichtert mehrere Flaschen Champagner auf den Tisch, drei Dosen Kaviar und eine Auswahl lombardischer Antipasti aus dem Feinkostladen. Marie-Jacqueline stellte den Serviettenständer dazu. Lord Jazz schenkte großzügig in unsere silbernen Kelche ein, schlug die Mappe auf und strahlte:
"Jungs, es ist endlich soweit. Ich habe Knight Rider gekauft!"
Dave und ich blickten uns ungläubig an. Vor Schreck wäre uns beinahe das geräucherte lombardische Widderfilet aus dem Mund gefallen. Nach einer etwas unangenehmen Pause fragte Dave:
"Jazzy… du hast WAS?"
"Ich habe Knight Rider gekauft! Der neue Pilotfilm lief in den USA so beschissen, dass es ganz billig war, weil das keiner mehr senden wollte, und Hamburgfunk besitzt jetzt alle Rechte! Die Amis wissen eben nicht, wie man mit so einem Stoff umgeht."
Er nahm einen tiefen Schluck Champagner, wischte sich mit dem Zipfel seines Seidenschals über den Mund und nahm einen Löffel Kaviar.
"Aber Lord", warf ich ein, "war das nicht trotzdem viel Geld?"
"Papperlapapp! Im Prinzip war das nichts. Viel billiger als die Rednex damals! Ich meine, natürlich, wir werden ein paar kleinere Einsparungen machen müssen, bis das Musical die ganze Kohle wieder einfährt… aber das nehmen wir alles doppelt und dreifach wieder ein!"
"Ein Musical?!" Marie-Jacqueline quietschte fast vor Entsetzen.
"Ja! Also, es ist so: Wir müssen einen der vier Dienstwagen abschaffen. Es gibt auch keine Ovomaltine mehr."
Daves Blick war wie versteinert.
"Ach ja, und Kevin-Arnold, tut mir leid, aber du bist raus. Wir haben einen neuen Praktikanten, der im Preis gleich mit drin war. David, komm rein!"
Die Bürotür öffnete sich zögerlich. Herein trat David Hasselhoff. Er trug stone washed Jeans, Cowboystiefel, und auf seiner Lederjacke stand groß Hamburgfunk.de. Unter dem Arm hatte er eine Tüte von McDonalds.
"Uhm… hello, guys! I'm David, but you can call me Dave! I like you!"
Def Daves Augen drohten aus dem Kopf zu platzen. Seine Halsschlagader sah aus wie eine wütende Anaconda. Lord Jazz lachte hysterisch und ich kippte mir einen großen Schluck Whisky in den Sektkelch.
…
Das, liebe Leser, spielte sich also am Morgen des 1. April in unseren Redaktionräumen ab. Mit vereinten Kräften gelang es uns, den durchgeknallten Despoten Lord Jazz mit einer lombardischen Wisentkeule k.o. zu schlagen, an die Heizung zu fesseln, mit seinem Hermelin-Sitzbezug zu knebeln und unsere Rechtsabteilung zu alarmieren, die den Deal gerade noch rückgängig machen konnte, weil sie feststellte, dass ein Vertrag, der David Hasselhoff beinhaltet, nach deutschem Recht gegen die guten Sitten verstößt und somit nichtig ist. Kevin-Arnold rettete den Tag, indem er flugs einen als Aprilscherz getarnten Text verfasste und unter Jazzkets Account veröffentlichte. Wir denken darüber nach, Kevin-Arnold eine Festanstellung anzubieten. Auch Jazzket geht es wieder viel besser.
David Hasselhoff wurde zuletzt bei einem Gebrauchtwagenhändler in Eimsbüttel gesehen. Wir bitten darum, ihn NICHT bei uns abzugeben.
Posted by djmq

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Posted by: Mark at 05.02.16 17:56