17.04.06 You've got nothing Toulouse

Während ich in Ottensen meine Suppe esse, denke ich darüber nach, wieviele Menschen sich in Schleswig-Holstein die Zähne putzen. Mein Verstand ist täglich ab 11 Uhr für Gedanken geöffnet. (Montags Ruhetag)
Im Reisezentrum für Hörblinde treffe ich einen staatlich geprüften Clown.
Wie mag eine solche Prüfung aussehen? "So, guten Tag, die Prüfung beginnt: Machen Sie jetzt bitte etwas Lustiges." oder "Tut uns leid, Sie haben nicht bestanden. Sie hatten Ihre rote Nase nicht auf."
Als ich ihm meine Vorstellungen berichte, muss er lachen: "Nein, nein, das ist eine ganz normale Prüfung in Schauspiel, Dramaturgie und Akrobatik: Es wird z.B. geschaut, ob wir uns mit dem großen Zeh an die Augen greifen können." Ach so. Klar.
"Wissen Sie, wie spät es ist?", fragen mich zwei vermutlich gerade erst volljährige Mädchen an der Ampel. Woher weiss man, dass man alt ist? Erste Rückenleiden, aufkommende Sehschwäche, allmähliche Drogenschäden? Nein, alt ist man, wenn man nun auch von Jüngeren gesiezt wird. Ich schaue auf meine Taschenuhr: "Ja, es ist... halb 3. Und könnt Ihr Kleinen mir sagen, ob es hier noch die Strassenbahn Richtung Dammtor gibt?"
Damit habe ich natürlich auch das Recht, im Bus ganz vorne auf dem Sitz für Gebrechliche Platz zu nehmen. "Junger Mann, lassen Sie mich da mal sitzen?" "Gute Frau, ich selbst kann kaum noch gerade gehen - sehen Sie das nicht? Man ist ja keine 21 mehr." "Oh Verzeihung! Ich dachte, der Bart wäre nur angeklebt."
Im Supermarkt begegne ich dann unserem HSV-Goldjungen Rafael van der Vaart mit sehr schwangerer +1. Klein, schmal, unscheinbar. Er. Sie im Augenblick eher nicht. Man kauft unter anderem Gurken und Orangensaft. Word up. Im Gegensatz zu anderen ist das für mich aber noch kein Grund, beim Papst telepathisch eine Audienz zu bestellen. Ich niese wie mein Vater.
Auf der Höhe von Stellingen kommt mir schliesslich ein aufgeregter und offensichtlich auch betrunkener junger Mann entgegen: "Entschuldigung, wo geht es hier nach Norderstedt?" Als ich ihm nach grober Orientierung die Himmelsrichtung weise, bedankt er sich freundlich und ruft mir noch zu: "Oh Mann, da hab' ich ja noch 'ne ganze Ecke bis Lüneburg, komme schon vom Hauptbahnhof, ey. So eine Kagge."
Der Mann lässt mir also weder Zeit, ihn kurz über geographische Schwierigkeiten seines Plans aufzuklären, noch kann ich ihm den Hinweis geben, dass aus seinem rechten Hosenbein kleine Hackbällchen auf die Straße rollen. Nun gut. Vielleicht legt er sich ja eine Fährte, um wenigstens den Weg zurück zum Bahnhof zu finden.

Zur Zeit beschäftige ich mich mit Napoleon, Relaxen und Phantomschmerzen.
Beim nächsten Mal erzähle ich Euch aber etwas über Litauen.

Viele Grüße

Posted by Polenmaus