22.09.08

Hard Working Mocambo

Es ist immer wieder schön zu beobachten, mit welcher Verlässlichkeit gute Platten und ebensolche Neuigkeiten aus dem Hause Mocambo kommen. Die Band dabei als Hamburgs wichtigstes Funk-Outfit zu bezeichnen, reicht längst nicht mehr aus, um den Status der Band und des anhängigen Labels zu beschreiben, und die Sache mit dem Propheten im eigenen Lande – geschenkt.

Tatsache ist, dass der Labelsampler "Mocambo Funk Forty Fives" Wellen bis nach Japan geschlagen und nicht nur die dortige Diggergemeinde auf die gelb gelabelten Vinyl-45s aufmerksam gemacht hat, die inzwischen hochgeschätzte Sammlerobjekte sind. Anfang 2008 erschien auf dem Peace St.-Label, das irgendwo tief in der finnischen Funk-Unterwelt vermutet wird, "The Next Message" von Mighty Mo & the Winchester Seven, ein Live-Staple der Allstars, das mit tonnenschwerer Percussionaction und druckvollen Horns einen Rapstandard in die instrumentale Funkhölle befördert.

Dieser Tage ist wieder zweifach Action angesagt: Bereits veröffentlicht ist "Working Woman" von Gizelle Smith and The Mighty Mocambos, ein soulgeladener Sister-Funk-Tune für Herz und Tanzfläche auf dem finnischen Old Capital-Imprint, der als 45 flugs wieder vergriffen und verzweifelt gesucht sein dürfte. Aber ganz vom Sammlerwert abgesehen: Was die Londonder Frontfrau hier abliefert, steht in bester Tradition von Ladies wie Vicky Anderson und Lyn Collins und ist musikalisch wie soundästhetisch längst auf internationalem Niveau.

Auch die neue Single der obskuren Bacao Rhythm & Steel Band auf dem Mocambo-Label, deren Meters-Covertunes 2007 als Hawkeye-Remixes auf Melting Pot veröffentlicht wurden, atmet aus jeder Pore analogen, schwitzigen Funk: "Pimp" ist ein Midtempo-Steelfunk-Monster, das nicht nur ein bisschen an Fiddys gleichnamigen Smash erinnert. Original oder Fälschung? Mittsiebziger oder brandneu? Trinidad oder nur ein paar Blocks weiter? Ist doch egal. Spätestens, wenn die trippige Version auf der handgestempelten B-Seite nochmal richtig Stoff gibt.

Und als wäre das noch nicht genug, wer stolpert irgendwann im Sommer 2008 mitten in New York über die deutsch-finnische Next-Message-Single, nimmt sie mit nach Hause und denkt: I fucking need to rework this? Jetzt gehts nämlich richtig los, Kenny "Dope" Gonzales höchstselbst hat auf eigenen Wunsch Remixes von "Working Woman" und "The Next Message" gestrickt, die man zumindest schon auf seiner Myspace-Seite anhören kann, bevor sie demnächst offiziell als Singles auf Kay Dee Records gedroppt werden.

Wer keine wirklich gute Ausrede hat, sollte sich Mocambo und Gizelle also definitiv am Freitag im Rahmen des Reeperbahn Festivals im Mandarin Kasino anschauen. Vielleicht gibt es ja sogar noch Vinyl abzugreifen.

Lesen, hören und staunen bei Myspace: Mocambo, Gizelle Smith und Kenny Dope.

Posted by djmq at 12:16 | Comments (0)

17.09.08

Norman Whitfield RIP

Gestern ist Norman Whitfield, prägender Komponist und Produzent von Berry Gordys Motown Records und langjähriger Wegbegleiter der Temptations, im Alter von 65 Jahren offenbar an den Folgen seiner Diabetes gestorben.

Nur wenige Wochen nach dem Tod von Isaac Hayes, der in der gleichen Ära bei Stax vom Songwriter zum Superstar wurde, ziehen wir den Hut vor einem weiteren ganz großen Soul-Komponisten des vergangenen Jahrhunderts.

Zum Abschied: The Temptations, "Ball of Confusion".

Posted by djmq at 18:09 | Comments (0)

02.09.08

Der Spiegel hat's verstanden (Quelle: Der Spiegel)

Das ist natürlich nur ein Scherz. Da war ich doch dieser Tage schwer beeindruckt von einer knallharten Analyse im gedruckten Spiegel, die zusammengefasst in etwa lautet: Merkels komatöser Podcast, Kurt Becks verwaister Youtube-Kanal, Franz Magets bräsiges Bayernblog - alles langweilig, hüfsteif und nicht geeignet, Politik ansprechend ins Netz zu bringen. Die Amis können das schon viel besser. Siehe dortiger Präsidentschaftswahlkampf und so. Soweit, so unaufregend und auch nicht unkorrekt.

Abenteuerlich wird es im vorletzten und letzten Absatz, auf den tatsächlich gleich drei Spiegel-Autoren hinschreiben durften, und der vermutlich sowas wie Perspektiven aufzeigen will. Es wird also festgestellt: Was das Webvolk wirklich will, ist die Möglichkeit, mitzumachen. (Eine Illusion, auf die ich übrigens gerne erstmal verzichten würde, wenn es dafür ernstzunehmende Inhalte gäbe, die nicht nur auf Zwang eines halbseidenen PR-Menschen entstanden wären.) Das hat man so gelernt beim Spiegel: Web 2.0 ist irgendwas mit Mitmachen ist der neue Shit. Immerhin wird Second Life nicht erwähnt.

Was aber wird zum Schluss tatsächlich halbherzig lobend angeführt, als immerhin "eine Art Anfang"? Die Seite "Team Beckstein 08" von der Jungen Onion Bayern. Da kann man sich als Beckstein-Fan nämlich einen Avatar basteln. Mit, Achtung, Sprechblase! Sprech-bla-se.

beckstein.jpg

So stolpern wir also in die kommunikative Zukunft: Als kleine Pixelchristsoziale mit flotten Klowandslogans. Wenn das die Richtung vorgibt, dann gehöre ich in Sachen interaktiver Onlinevisionen ganz schön zum alten Eisen. Vielleicht sollten wir Hamburgfunk auch einfach
zum StoiberVZ machen.

Posted by djmq at 09:06 | Comments (0)