Culcha Candela - Next Generation

usikalisch gereift. Wohl die treffendste Aussage wenn man einen abschließenden, möglichst kurzen Satz zum neuen Album von Culcha Candela aus Berlin als Fazit schreiben müßte.

Hier trifft eben jene Aussage auch wirklich zu, denn das erste Album der 7 Candeleros wollte und mußte raus, wurde über Jahre produziert, war der Erstling und wußte noch nicht was denn werden sollte. Da war noch viel Plastik, viel sehr eintönig aber sehr eingängig. "Next Generation" ist echte Musik! Im Gegensatz zum ersten Album wurde viel eingespielt, echte Musikinstrumente verwendet und der PC als Ausgangspunkt für Melodie und Drums vernachläßigt.

Trotzdem beginnt das Album mit viel Feuer! Der erste Track "Fuego" ist ein Clubstück, das zeigt, dass Culcha Candela trotz einem weiteren Jahr, neuen Möglichkeiten und dem Leitfaden auf dem zweiten Longplayer mehr Message zu übertragen und zu sagen, was die Band wirklich zu sagen hat, auch noch der Hintern bewegt werden muss! Mo Fire!
Die neue Single ist dann eine Mischung aus eben Message und Represent, aus "Hallo, wir sind Culcha Candela" und "tut was!". Halt das Titelstück, der Leitfaden für eine runde Sache.
Im weiteren Verlauf kommt dann mit "Mother earth" der erste ernste Gedanke auf die Platte, die grüne Mutter Erde wird angeprießen, die Umwelt als Ausgangspunkt aller Menschen. Eben auf solchen Tracks wird auch auf der beigelegten DVD hingewiesen. Die Candeleros haben den Anspruch auch solche Gedanken zu verbreiten und nicht nur Ärsche wackeln zu lassen. Aber eben auch, und so wird im nächsten Lied das weibliche Geschlecht dann auch zum "Reggeaton", Modemusikrichtung des Sommers, zum Tanzen aufgefordert.

Ein unglaubliches Brett und einer der "Gründe" warum man das neue Album als echte Musik bezeichnen muss, ist das Brett "Una Cosa", eine Anti-Koks-Hymne, die auf einem Instrumental gelegt wurde, dass zeigt, das Samplen für die 7 Jungs längst nicht mehr reicht. Ebenso das Lied "Jeder Tag ist ein Comeback", das mit Mlo Mark und Martin Jondo gefeaturet wird. Reggeabeat, eine Hook, die ihresgleichen suchen wird und einfach nice Strophen die jeweils mit spanischen und deutschen Lyrics perfekt abgeschlossen werden. Larsito und Lafrotino zeigen hier besonders was in ihnen steckt! Da wird gesungen was das Zeug hält, "buena vista" läßt grüßen! Auch gerade im Gesang wird so mehrspurig gearbeitet, das einfach eine ungeheure Tiefe in den Stücken entsteht, die man so auf dem ersten Album nicht hören konnte.
"More Peace" kommt dann mit einem Beatbrett, das aggressiv mit Klavier und Gitarrenriff nach Frieden ruft, den Krieg beenden will und Politiker in der Welt zum Umdenken aufruft. Auch hierzu gibt es einen Kommentar auf der DVD. Übertrieben könnte man denken, die Candeleros gehen da aber konsequent ihren Weg und sagen, dass man nix ändern kann wenn man nichts tut... Und da sie tun was sie lieben, nutzen sie diesen Weg um ihren Teil beizutragen.
Mit "La Bicicleta" kommt dann ein reinspanischer Track an den Start, der musikalisch wohl der beste ist. Gesungene Hook, eine wahnsinns Percussionbridge, Gesang, Rap. Dope! Und so gehts weiter: TANZ! Ein Dancefloorfüller erster Klasse mit Ohrwurmhook, die einfach mitgesungen werden will! Wer da nicht tanzt oder mitsingt, ist falsch!
Zum Abschluss ein Danke schön! An die Fans? Nein! Das Management? Nein! Die Welt? Jein! "Deine Mudda" sagt man sich! Richtig, an die Mütter, an jene Menschen die die Jungs zur Welt gebracht haben, geprägt, ernährt, erzogen und geliebt haben und immer noch lieben! Auf dem Album gibts zurück, was zurück gehört, ein bisschen Liebe! Oder ein bisschen mehr! Ne schöne Idee ist es auf jeden Fall!

Ein rundes Ding, das musikalischer geworden ist, reifer auch in den Aussagen und trotzdem nicht mit dem erhobenen Zeigefinger kommt, aber dennoch den Arsch nicht zu kurz kommen läßt, denn der muss bewegt werden!!!

Nach "Union Verdadera" kommt "Next Generation" ein gutes Stück voran und hat mehr verdient als nur eine gute Position in den Charts! Die Tour beginnt im Oktober, dabei sein ist alles!!!

8,5 von 10 LPs!

$onido

$onido | Mittwoch, 7. September|   Diskussion (0)