De La Soul - the Grind Date

De La Soul - The Grind Date e La Soul ist seit nunmehr 15 Jahren am HipHop Firmament zu beobachten. ‚3 Feet High & Rising’ mit seinem Sample-Wahnsinn war ein Meilenstein für die damalige Musiklandschaft. Mittlerweile gibt es ihre ehemalige Plattenfirma, die meisten Gruppen von damals, und den Sample-Wahnsinn nicht mehr. De La Soul ist geblieben.
Der Sound ihrer letzten beiden Alben war nur mit wenigen Samples angereichert und für De La Verhältnisse eher minimalistisch – sehr zum Bedauern einiger Fans. Das vorliegende ‚The Grind Date’ allerdings ist so etwas wie eine Reparationszahlung an alle Sample-Liebhaber.
Beim ersten Probehören im Laden setze bei mir sofort eine Mundwinkel-Erektion ein, und Zwangsverhalten in Form von Kopfnicken...

Ganz nebenbei: Es gibt eigentlich nichts widerlicheres als kopfnickende HipHop Hörer mit Kopfhörern, die in der U-Bahn zu Bushidos derbsten Doubletime Rhymes nicken. So stieg ich eines Tages mit dicken Headphones in die U-Bahn um groovend dahin zu treiben und die Grenzen dieses Ekels selber auszuloten, als ein sozialverkrüppeltes HipHöpchen in die Bahn einsteigt. Meine Soundquelle verschönt meinen Alltag mit ‚The Foreign Exchange - Connected’ – als diese arme Diss-Battle-Wurst auf einmal Nackenspasmen sonder gleichen erleidet. Ganz so als hätte er die falschen Pillen in der falschen Menge in die falsche Öffnung geschoben und würde jetzt von Scooter erleuchtet. Der hat nicht auf die Snare oder Kick genickt, sondern auf die Hi-Hats - bei einem Jungle-Remix auf 237 BPM. Ein wahrlich unerbaulicher Anblick. Vielleicht ist an dieser Stelle ein guter Übergang zurück zur Review...

Das Artwork ist das nächste Schmankerl, das Booklet ist ein kleiner Kalender mit einzelnen Artworks zu jedem der ersten 12 Songs. Das Artwork in Kalenderform bebildert den Titel der LP und jedes Kalender Blatt ist ein Oldschool Flyer wie er damals 1979 in Brooklyn die Runde gemacht haben könnte. So ein Booklet ist wirklich mal ein gutes Argument sich ein Album zu kaufen, anstatt es aus dem Internet zu ziehen! Angewandte Kundentherapie.

Nun zum Wichtigsten, der Musik:
Der Auftakt der europäischen Pressung ‚The Future’ (bei der US-Version der letzte Track) ist ein wunderbarer Track den Supa Dave West aus dem Sampler gefischt hat. Plattenknistern, knackige Drums, ‚Guitar-Stabbs’ und ‚String-Chops’ begleitet von Vocal Samples, alles damit Plug 1 & 2 klarstellen können, dass sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im HipHop sind.
Darauf folgen zwei Dilla Beats, die Kenner schon auf dem ‚JayLib’ Bootleg gehört haben. Verbal Clap ist ein etwas verschrobener Beat, den mancher auch vom Intro des Jaylib Album kennt. Much More ist ein Brett vorm Herren, das auch schon seit einem Jahr kursiert.
Dann wäre da die erste Single des Albums Shopping Bags. Madlibs erster offizieller Clubhit. Im Refrain werden einige Mode-Labels aufgezählt, die man seinem materialistisch veranlagten Weibchen so an den Körper hängen kann. Natürlich handelt es sich um eine kritische Hinterfragung des Phänomens.
Der Titel Track Grind Date wieder von Supa Dave West produziert dreht sich textlich um die Widrigkeiten im Plattengeschäft verblasst aber gegenüber dem absoluten Schmuckstück des Albums: Church (Reality)
Ninth Wonder und De La Soul sind eine Kombination die einem das Herz aufgehen lässt. Dazu kann man nicht viel schreiben, das Lied kann man eher verschreiben. Ich muss es noch etwas reifen lassen, aber es könnte mein Lieblings Lied des Jahrgangs 2004 werden.
It’s Like That, das dritte von Supa Dave West produzierte Lied auf dem Album kommt dann eher kuschelig daher, was aber positiv zu verstehen ist.
Dave West hat dann auch gleich noch He Comes produziert dass mit seinem Ghostface Feature glänzt. Geiler Beat und 3 verdammt gute MCs sind eine gute Mischung, die auf diesem Album einfach der Standart ist. So auch auf dem nächsten Track Days of our Lives, mit einem Common Feature, dass Jake One (Gift of Gab LP!) aus Seattle unter zur Hilfenahme eines Ohio Players Sample vertont hat.
Etwas schräg kommt Come on Down mit Flava Flav daher. Madlib hat noch einen Auftritt als Produzent. So als kleine Randnotiz ist zu vermerken, dass nur die zwei Madlib Tracks keine Sample Clearance aufweisen.
No ist noch ein schönes kleines Stück, dass sehr blumig im Klang daher kommt und durchaus in die Hüften geht. Wie auf allen anderen Tracks des Albums sind Pos und Dave mit ihren Flows und Texten auf dem Punkt. Zu einer Inhaltlichen Bewertung des Albums bräuchte man noch ein paar Durchläufe. Aber der erste bis zehnte Höreindruck der LP ist berauschend. Der 12 Track mit MF DOOM, produziert von Jake One besticht durch die Spielereien mit den Flows und den Rhythmen des Beats.
Der Bonus mit Sean Paul, lässt auf dem Papier vermuten, dass er bei mir übel aufstoßen würde, was aber nach 12 verdammt guten Tracks einfach nicht passiert. Der Beat gefällt mir, da ich das Sample (Tom Tom Club – Genius of Love) einfach liebe, da es der X-Clan damals schon benutzt hat. Sean Paul macht sich auch gar nicht schlecht.

Dieses Album ist vom Vater von Beyonce Knowles Co-Executive-produziert worden! Das Ergebnis ist wirklich großartig. Ich habe 2004 sonst noch kein anderes Album mit so einem konstant hohen Niveau erlebt, dass solche Highlights bietet. 4 Tracks mehr und ein J-Live Feature würden es für mich zu einem Instant Klassiker machen, so ist es einfach nur das für mich bisher beste Album des Jahres, und das beste Stück DE LA seit ‚Stakes is High’


9 von 10!

Jazzket | Sonntag, 10. Oktober|   Diskussion (0)