Jan Delay - Mercedes Dance

an Delay
„Mercedes Dance“
Buback / Universal

Na, dann lass mal den Fanboy was über Jan Delay schreiben. Spitzen Idee, denn das bin ich, und so – zumindest meine Hoffnung – kann dem geneigten Leser vielleicht mit möglichst wenigen Serpentinen und Umleitungen näher gebracht werden, was „Mercedes Dance“ ausmacht. (An dieser Stelle bitte bei Bedarf selbständig aus einer beliebigen Quelle einfügen: Geschichte des Herrn Delay, Geschichte der Beginner, Reggae-Album, total viele Pseudonyme, Nena, RAF. Dann haben wir's hinter uns. Danke, wieder da? Aight.)

Ein wenig ängstlich war ich ja schon, als ich zum ersten Mal lesen konnte, der Delay mache ein Funk-Album. Da gibt es hierzulande nur zwei Möglichkeiten, nicht zu scheitern: Entweder man findet eine verflucht gute Funk-Band (leider unwahrscheinlich) oder man erweitert den Ansatz rigoros. Man nimmt die Seele des Funk, seine Foundation, seine Vibration, und implantiert sie in einen neuen Körper, um sie so in anderem Kontext wiederzubeleben – und zum Glück ist genau das geschehen. So ist „Mercedes Dance“ intuitiver und weniger erklärungsbedürftig, als eigentlich zu erwarten gewesen wäre, weil diese Platte Funk komplett richtig verstanden hat, ihn aber gleichzeitig produktionstechnisch so aufbereitet, dass er 2006 keinen Augenblick lang deplaziert wirkt. Natürlich steht hier mit „Disko No. 1“ eine Band aus Fleisch, Blut, Blech und mehr im Hintergrund, aber wie schon auf „Searching for the Jan Soul Rebels“ wird spielerisch seziert, was die Band spielt, von Sample-Sketches ausgehende Live-Instrumentierung wird selbst wieder zum Sample, und am Ende greift alles so ineinander, dass mit neuen Mitteln der alte organische Groove entsteht und alles zusammenhält. Ein wenig so, als würde man durch die Zeit ins Studio der Meters reisen (circa „Fire on the Bayou“) und den Jungs unbemerkt andere Instrumente und Sounds unterschieben. Alles wie früher, aber anders. Future-Funk, dessen wohl angemessenste Referenzplatte nicht nur mir, sondern auch Jan (siehe Juice-Interview) in den Sinn kam: „Cee-Lo Green and His Perfect Imperfections“. Sollte „Mercedes Dance“ also eine ähnlich lange Reife- und Halbwertszeit entwickeln, wie des Delays Erstling und des Cee-Los Manifest: Klassischer Scheiss, wie man andernorts sagen würde.

Schritt zurück. Liest sich das alles nerdig nach Musiktheorie-Masturbation? Keine Angst haben. Am Schluss ist „Mercedes Dance“ auf seiner Basis aus erdig-elektrischem Funk verdammtnochmal so offensichtlich Pop und eingängig, dass sich hier ein Konsens-Album von saisonüberspannendem Ausmaß anschleicht. Würde der olle Timberlake dieses Jahr kein neues Album bringen, keiner würde darauf warten müssen, denn das bekennende Pop-Schwein Jan Eißfeldt hat sein Händchen und Öhrchen für Hooks, Basslines und herrschende Bläsersätze noch zwei Schritte weiter entwickelt.

Da passt es nur ins Bild, dass die Inhalte leichtfüßiger daherkommen dürfen als zuvor, denn der Delay kann mit Schmiss und ohne Politik ebenso sinnvoll entertainen wie mit Pali-Tuch. Immer noch, nur etwas subtiler, gibt es die Breitseite gegen Stumpfsinn und offene Arme für die Guten, kleine Tritte in alle Richtungen und mehr Zwinkern als Augen. Aber anstatt hier noch Songs erklärend aufzulisten, Lines zu interpretieren, Namen zu droppen: Macht das einfach selber, denn an diesem Album kommt man ohnehin nicht vorbei. Eine bessere Einheit aus Hirn und Unterhaltung, Groove und Ohrwurm ist nicht in Sicht. Diese Platte packt dich kräftig im Genick, will aber eigentlich doch nur spielen. Du musst sie nur lassen.

djmq | Freitag, 14. Juli|