Max Herre - Max Herre

Max Herre ch lege die CD ein... Ich bin gespannt! Max Herres erstes Solo – Album, von ihm selbst produziert, zum großteil zumindest; hatte auf jeden Fall als executive Producer immer das letzte Wort. Es ist auf Platz 1 in den deutschen Charts eingestiegen, ich bin skeptisch. Was so weit oben in den Charts ist, ist gewöhnlich heutzutage Müll. Oder ein Selbstgänger. Wie ist es in diesem Fall? Gut, eine gewisse Popularität genießt der Herr Herre schon, Hip Hop Boom sei Dank, doch der ist inzwischen auch eher zur Hip Hop Frustration geworden. Was also ist der Grund des Erfolges? Die CD fängt an zu spielen...

“Mein Song” macht den Auftakt. Der Herre freut sich wieder hier zu sein. Schon mal gut zu wissen, daß er immer noch Spaß an der Sache hat. Das Besondere an diesem Song erklärt Max selbst, indem er zum Schluß nochmal angibt: “Keine Samples! Das ist meine Band!” Da darf man schon stolz drauf sein, denn es klingt trotzdem wie gesamplet. So auch im nächsten Track, “1ste Liebe”, der zweiten Singleauskopplung, der nochmal einen drauflegt, was den Loop angeht. Ich hätte es nicht besser samplen können. Ist nicht dumm, man hat ein ähnliches Klangbild, wie in klassischen Hip Hop Beats, muss aber nichts für Samples zahlen, ganz im Gegenteil, man bekommt auch noch Geld für Songwriting. Mein nickender Kopf ist sowohl Reaktion auf die Musik, als auch schon mal prinzipielles Einverständnis. Das Album kann ruhig so weiter machen.
Es folgt ein netter Schmunzeltrack über das “Hipster 80er Revival Berliner Designer Punk” Syndrom am Beispiel eines alten Bekannten. Musik immer noch gut. Gitarre, Bass, Schlagzeug + Rap und Gesang. Man kann mit wenig schon viel umsetzen.
Als nächstes betritt Max den Club und checkt ma die Chicks auf dem “Playground” ab. Entsprechend cool und minimalistisch bleibt der Beat. Bilal singt im Refrain, was mir nicht hundertprozentig gefällt. Nicht die Tatsache, daß es Bilal ist, sondern die Art, wie er es macht. Klingt wie 'ne Mischung aus Oper und Gospel. Gefällt mir nicht ganz so gut zu diesem Track. Nichtsdestotrotz, Bilal zeigt mal wieder, was er alles mit seiner Stimme machen kann. Er singt nicht einfach, er spielt seine Stimme als Instrument.
Das Album schwenkt um, Max will jetzt erstmal was singen. Silly Walks Movement ist musikalisch verantwortlich für die beiden nächsten Tracks. Ich entspanne mich schon mal grundsätzlich bei den Klängen dieser Musik. Ich will mich instiktiv zurücklehnen, mir 'nen Joint anzünden und die warm strahlende Sonne in's Gesicht scheinen lassen. Raggae eben.
Mit “Wie Du Bist” schwenkt die Musik wieder um in's eher soulige. Schöner Track. Es geht um DIE eine Frau, wer mag das sein? Der Mann liebt, soviel ist spätestens jetzt sicher. Könnte auch von den Soulquarians sein: Schmuuv und rockt trotzdem. Mein Kopf nickt. Jetzt fehlt nur noch die Gesellschaft einer schönen Frau und alles würde passen.
“Zu Elelktrisch” geht es weiter. Der wohl powerfullste (das gute alte Denglisch) Song des Albums und die erste Singleauskopplung.
Der “Epilog/Prolog” leitet über zu “Du Weisst (Bye Bye Baby)”, ein Song über die krankhafte Beziehung einer Ex zu Max. Der Sound geht in Richtung Lenny Kravitz. Bluesig, souliges, rockiges Stück in gemäßigtem Tempo. Bei der Art von Max' Gesang muss ich instinktiv an die hektischen Handbewegungen von Joe Cocker denken.
“Alter Weg” ist die Vertonung eines Gedichts, wie ich vermute, denn es ist der einzige Track des Albums bei dem Max den Text nicht geschrieben hat. Wen's interessiert: J. Plewka ist als Dichter angegeben.
Die letzten beiden Tracks sind ein Wiedersehen mit A-N-N-A und Max' Danksagung an Alle, die am Album mitgewirkt haben. Ich bin insgesamt zufrieden mit diesem Album. Doch was wär ein Album ohne Hidden Tracks? Genau, ein Album ohne Hidden Tracks. “Max Herre” aber ist ein Album MIT Hidden Tracks und zwar gleich drei von der Sorte. Alle drei bleiben dem Album musikalsisch treu, einer der Drei ist die deutschsprachige Version von “Sei Tu”, einer der Tracks, bei denen Silly Walks Movement randurften.

Um wieder auf die am Anfang gestellte Frage zurückzukommen, muss ich doch mit Erstaunen feststellen, daß doch nicht alles Müll ist, was sich in der Spitze der Charts befindet. Max hat als Executive Producer einen ausgezeichneten Job geleistet. Das Album beinhaltet sehr viel, nicht bloß stur Hip Hop. Es vereint Soul, Rock, Blues und Reggea und nicht zuletzt auch ein wenig Funk auf einer Scheibe. Es ist eben für jeden was dabei, inhaltlich, wie musikalisch. Insgesamt betrachtet, ist es aber eher ruhig gehalten. Wer also den “roughen Shit” will, wird von diesem Album höchstwahrscheinlich enttäuscht sein, denn der rote Faden dieses Albums ist Liebe. Auf Platz 1 eingestiegen: Zu Recht. Das Beste, was Deutschland an Musik dieses Jahr zu bieten hatte. Deshalb:


9 von 10
vergibt Soundnerd

Jazzket | Dienstag, 19. Oktober|   Diskussion (0)