Mos Def - The New Danger

Mos Def - The New Danger s hat auf den Tag 5 Jahre gedauert, bis Mos Def uns wieder mit einem Album beehrt. In diesen 5 Jahren hat sich so einiges getan. Mighty Mos ist erfolgreicher Schauspieler, Kopf einer ‚Black Rock’ Band, und kein bisschen leiser geworden. Im Gegenteil, der Rock-Ansatz den man auch schon verstärkt bei den Roots und Common hören konnte, ist bei Mos Def aufdringlich hörbar.
Dieses Album ist geprägt durch einige Umstände, die mit Musik eigentlich nichts zu tun haben. Es muss so um 2001 rum gewesen sein, als man vernehmen konnte, dass Mos Def als nächstes ein Rock Album plane. Black Jack Johnson war der Name der Band und Bernie Worrell das namhafteste Mitglied dieser Combo. Und so entstanden Songs und einige Shows wurden in Rockbesetzung gespielt. Doch irgendwie hatte MCA, die Plattenfirma, keine Lust oder Möglichkeiten ein Album zu veröffentlichen. Mos Def konzentrierte sich mehr auf seine Schauspiel Karriere, und es gab nur noch wenige Features von dem Herren zu hören.
Eine weitere wichtige Entscheidung war die Rebellion gegen das alte Image, die Talib Kweli und er bis heute betreiben. Wir haben hier nicht etwa zwei Intellektuelle MCs, sonder zwei N*gga die heftiger rocken als alle anderen. So zumindest könnte man das neue Selbstverständnis der beiden stark vereinfacht zusammenfassen. Die Absicht dieser Rebellion, so unterstelle ich einfach mal, ist mit Sicherheit das erreichen einer anderen Zielgruppe. Denn es muss auch ein merkwürdiges Gefühl sein, die Blackpower Attitüde vor weißen Publikum zu predigen. Und so findet man bei Mos Def immer häufiger die Selbstbezeichnung „Nigga“, oder die Versicherung „ I’m Black“
Mittlerweile ist auch das neue Label, das Mos Def nach der Auflösung von MCA übernommen hat, im Begriff sich aufzulösen. Es gibt kaum Budgets für Videos und nur noch schlaffe Promotion. Bei solcherlei Vorgaben ist es auch wenig verwunderlich, wenn Mos Def mit einem etwas überstürzt wirkenden Tonträger (nach 5 Jahren *hust*) auf den Marktplatz tritt.
Das Album ‚The New Danger’ ist dann auch kein wirkliches Album, sondern ein Flickenteppich zweier Musikalischer Ansätze. Zunächst wäre da der Rock Ansatz, des Black Jack Johnson Projektes, dass dann auch rund die Hälfte des Albums einnimmt. Der Rest der Scheibe ist der gute alte Mos Def, der etwas mehr „Straße“ ist, als noch bei seinem Debüt.
Mos Def hat sich mehrere alter Ego zugelegt die wildverstreut über das Album in Erscheinung treten. Der Auftakt des Albums ist gitarren-lastig und verzichtet weiträumig auf Rap, und glänzt, sagen wir mal durch vokale Impressionen des Herren Def.
Boogie Man, das erste Stück, ist dabei eine gelungene Kooperation mit Raphael Saadiq (Lucy Pearl), bei der es um die Angst vor dem Schwarzen Mann in Amerika geht. Der bewundernswerte Clown der gerne die Bühne, aber bitte nicht die Nachbarschaft betreten darf. Eine ruhige Blues-Rock-Jazz Impression. Direkt im Anschluss wird mit
Freaky Black Greetings, von Bernie Worrell geschrieben, rasantes Tempo aufgenommen. Textlich passiert da nicht viel –Lil Jon für Alphabeten. Beim dritten Stück Ghetto Rock machen wir Bekanntschaft mit dem neuen Hausproduzenten von Mos Def: Der Herr Minnesota knarzt eine Gitarren-Melange dahin, die durchaus in den Nacken geht. Aber textlich haben wir schon mal etwas mehr erleben dürfen, wenn Mos Def ein Mic in die Hand genommen hat.
Easy Mo Bee sorgt beim vierten Stück 'Zimzallabim' für einen Sound, der stark an Black on Both Sides erinnert, aber doch noch etwas mehr Gitarren Spuren hat. Mos Def hat mittlerweile das Mic fest in der Hand, und lässt es auch beim nächsten Track ‚Rape Over’ nicht los. Rape Over ist eine 1minütige komplett Abrechnung mit dem „Rap-Game“ über den ‚Take Over’ Beat (Jay-Z, Kanye West), weswegen das Album in den Staaten dann auch gleich mal vom Markt genommen wurde, und mittlerweile in zweiter Version ohne Rape Over vorliegt.

Dann kommt es zu einem Stück mit Shuggie Otis, dem Typen, genauer gesagt Gitarristen, der die Beginner mit dem Original Sample für Liebes Lied beglückt hat. Minnesota sorgt als Produzent für Timbaland-eske Hi-Hats unter einer Blues Rock Nummer mit dem Titel 'Blue Black Jack'. An dieser Stelle hat sich Minnesota bereits den Titel Timbalight eingespielt.
Beim nächsten Stück 'Bedstuy Parade & Funeral March' kommt die nächste Blues Legende zum Einsatz. Paul Oscher hat mit Größen wie Muddy Waters gespielt. Brooklyns finest Mundharmonika. Mos Def versucht sich erneut als Bluessänger, was eigentlich nicht wirklich sein muss.
Mit 'Sex, Love & Money' geht es dann straight zurück in HipHop-Gefilde. Mos Def liebt Beats mit starkem Einsatz von Percussions, die allesamt schon etwas an Timbaland erinnern, was die Hi-Hats anbelangt, aber auch verdammt gut zu seinen Flows passen. Bei den HipHop-Tracks des Albums merkt man einfach was für ein verdammt guter MC der Herr doch ist. 'Sex, Love & Money' mit seinen Brassbläsern und der etwas querliegenden Flöte ist die erste offizielle Single des Albums mit Video.
Dann darf Kanye West wieder mit machen, der Track 'Sunshine' ist ein nettes Standard-Werk, bei dem Mos Def represented und Kanye West seine Drums mal wieder schlecht mischt. Garnicht falsch, aber auch nicht sonderlich interessant. Auffällig das Mos Def hier seine Flows des folgenden Stückes schon vorweg nimmt.
'Close Edge' ist ein HipHop Zitat, wie man es schon auf Black on Both Sides finden konnte. Nur ist der Beat astronomisch schlecht. Timbalight schlachtet Schweine in unseren Trommelfellen, während M.Def sich bemüht uns zu erzählen, dass er verdammt „close to the niggers, the bitches, the streets...“ usw ist. Ohne Musik wäre das Stück vielleicht sogar geil.

Und als wollte sich Minnesota aka Timbalight entschuldigen, ist das folgende 'The Panties' sehr schmeichelhaft in den Ohren mit einem schönen Tom Brock Sample, auch wenn die Drums nicht unbedingt auf der Höhe der Kunst sind (oder vielleicht doch gerade – siehe Lil’Jon). Mos Def hat bei diesem Stück, das auch eher gesungen ist, eine Frau gefunden, die er nur noch überreden muss, um irgendwas mit den Panties anstellen zu dürfen.

Wann auch immer Mos Def mit Psycho Les zusammenarbeitet, ist das Ergebnis ein Track mit ernsten Thema. War es 1999 das Wasser, so ist es diesmal Krieg. Bei WAR werden wieder die Gitarren rausgeholt, die Black Jack Johnson schwingen. Es beißt etwas im Ohr, aber das soll es wahrscheinlich auch. Dann geht es aber sehr ohrenschmeichelnd weiter. 'Grown Man Business' ist ein sehr klassisches HipHop Stück über das Drogengeschäft in Brooklyn. Bekannter Drum Break, Loop und 2 Strophen. Die erste (und einzige Featurestrophe des Albums) kommt von Minnesota, der sich mit diesem Stück durchaus für 'Close Edge' rehabilitieren kann.
Mit dem folgenden Tribut an Marvin Gaye hat Minnesota sich dann auch in mein Herz produziert. Rund 9 Minuten Mos Def über drei Variationen eines Marvin Gaye Samples, mit Inhalten ist schon was feines. 'Modern Marvel' ist das beste Stück auf dem Album! Eine Ohrenweide wie die Kanten des Original Samples knistern und dahin bouncen, auch wenn der gute Minnesota durchaus eine Fortbildung in Sachen Drumprogramming absolvieren könnte.
'Life is Real' schließt den schönsten Teil des Albums ab. Ähnlich in der Machart wie ‚Grown Man Business’, besticht ‚Life is Real’ durch seine klassischen Elemente, für die diesmal Molecules verantwortlich ist.
Nach drei einfach guten HipHop Stücken ist es wieder Zeit für die E-Gitarre und Black Jack Johnson. 'The Easy Spell' ist einfach nicht mein Fall und streitet sich mit meinem Trommelfell, das von den letzten beiden Stücken aber wieder versöhnt wird. 'The Beggar' gehört zu den ruhigen Stücken auf der Platte. Eine kleine Ballade mit klagenden Gitarren und Bass-synthies geschrieben vom genialen Bernie Worrell.

'Champion Requiem' ist dann noch mal ein Brett als Abschluss, das 88Keys und Mos Def als Team wiedervereint. 88 Keys ist mit Abstand der kompletteste Produzent auf dem Album, und dieses Stück würde auch auf die Black on Both Sides passen.

Insgesamt kann The New Danger nicht wirklich das Versprechen „Neues Mos Def Album“ einlösen. Etwas wirr kommt die Mischung von zwei unterschiedlichen Stilen daher, und wirkt oft überstürzt und flüchtig produziert oder gemischt. Die großen Kunststücke fehlen einfach, auch wenn es einige Filetstücke zu finden gibt. Es ist aber trotzdem ne coole Sammlung von Mos Def Tracks, deren Anschaffung sich für den Fan lohnt.

7 von 10 Platten

Jazzket | Mittwoch, 10. November|   Diskussion (0)