|
|
PUSH - People |
|
as beinahe legendäre Hamburger Soulciety Label, das in den neunziger Jahren nicht nur mit der Reanimation alter Haudegen wie Bobby Byrd und Vickie Anderson glänzen konnte, meldet sich zurück und veröffentlicht mit „People" zum zweiten Mal ein Album der schwarz-weißen Londoner Funkband
Ähnlich wie der Vorgänger „Can't Fight It" (1996) beweist „People", warum PUSH von vielen als DIE Rare Groove Band überhaupt bezeichnet werden. Nicht nur ihre Verbindung zu Größen derAcid Jazz-Bewegung (wenn man von so etwas sprechen kann) wie den Brand New Heavies oder Galliano hat der Band über Jahre hinweg ein Ruf als spitzenmäßige Liveband eingebracht, Geschmackssicherheit und handwerkliches Können der Gruppe waren darüber hinaus stets ein Garant für gute Funk-Shows. So wundert es nicht, dass einige Jahre ins Land ziehen bis die Gruppe mal ein Album veröffentlicht!
Dementsprechend begeistert schreibt das Label selbst:
„Push, die legendären Mitbegründer der Rare-Groove-Bewegung melden sich mit dem ultimativen Funk-Feuerwerk zurück. Die Nordlondoner sind noch immer in der Original-Besetzung am Start, grooven so soulig wie immer und tighter denn je. Auf dem neuen Album verstärkt durch u.a. Toby Baker, Camille Hinds, Noel McCalla und Paul Weller. Die dreizehn Songs selbstredend alles neue Push-Originale, fließen direkt von den Ohren in die Beine und berauschen die Seele."
In der Tat handelt es sich hier um einen kleinen Leckerbissen für den Funk-Connaisseur. Schon das Cover der LP ist im Stil einer echten 70's Funk-Platte gehalten. Dem Album beigelegt ist zudem eine 7"-Single mit drei Bonus-Tracks, so dass auch die 45-Fans nicht die Nase zu rümpfen brauchen (und für den DJ die LP auch deswegen nicht allzu leise wird). Hält man dieses Gesamtwerk in den Händen, möchte man glauben, es habe Disco und die 80er Jahre nie gegeben! Eine Vermutung, die sich auch beim Hören der Platte bestätigt.
Für alle die, die gerne den „alten Funk" haben, sich nur ungern mit seinen Derivaten wie HipHop, FrenchHouse, Disco und was auch immer abgeben und neue Veröffentlichungen schmerzlich vermissen bestätigt sich der positive optische Eindruck. Der Sound ist geradlinig, ohne Gated Reverb auf der Snare und ohne Cathedral Hall auf den Horns, die verwendeten Instrumente klingen alle echt, insgesamt ein cooler Vintage-Sound mit Hammond, Clavinet, Wahwah-Gitarren, synkopierten Bläsersätzen und allen weiteren Zutaten des Classic Funk à la 1975. „Schön, dass es noch richtige Funkbands gibt", denkt man spontan.
Das Album beginnt mit „Stomp", einem schmackhaften Up-Tempo-Funk-Instrumental mit Wahwah-Sax-Solo, wird aber mit dem Verlauf der ersten Seite zunehmend relaxter. Ich bekomme den Eindruck, die Musik wird zunehmend formelhafter - so wie es mit dem Funk in den Mittsiebzigern auch geschehen ist. Jedoch driften PUSH niemals in Disco-Gefilde ab; hier hat man aus der Geschichte gelernt. Die Gruppe spielt straighten Funk, und der lässt sich sehr gut durchhören. Für meinen Geschmack fehlt jedoch bei manchen Stücken die nasty attitude der Sturm- und Drangzeit des Genres. Zu gewissenhaft wird an bewährten Funk-Clichées festhalten. Man vermisst etwas neues, Elemente, die man noch nicht auf einer Soul-Scheibe gehört hat, musikalische Innovationen, oder einfach nur etwas Dreckigkeit.
Mit der zweiten stellen PUSH aber unter Beweiß, dass es einfach nur um guten, alten Get-Down-Funk geht, und dass sie dieses Motto wie kaum eine andere heutige Gruppe beherrschen. „Breakfast Toast" und „Drum Salad" (mit bösen Clavinet-Riffs und Gitarren-Solo) lassen erahnen, dass das (mindestens) 8-köpfige Ensemble im Konzert gerne mal die Wand einkrachen lassen kann. Alleine die Tatsache, dass es in den meisten Stücken Soli gibt, legt einem das Bild von halbstündigen Live-Jams nahe.
Auf der Single kommen dann auch die Hörspiel-Jazz-Freunde auf ihre Kosten!
Fazit: Wer nicht von sich behauptet, das Rad neu erfinden zu wollen, muss dies auch nicht tun. So definieren Push das Genre Funk nicht neu, dafür rollt es bei ihnen, und zwar vom feinsten. Man merkt, dass dieses Album von Funk-Freaks für ebensolche eingespielt wurde.
Wer so viel Liebe in sich trägt, in Zeiten von Klingelton-Charts noch eine 8-köpfige Funkband zu sein, zu produzieren und zu veröffentlichen, der hat es mehr als verdient, dass seine Platte gekauft wird. Der Käufer wird wird es ebenso wenig bereuen.
Sieben von Zehn Punkten!
         
Björnum
Related Links
www.Soulciety.de
Jazzket | Dienstag, 17. August|
Diskussion (0)
|