Steve Spacek - Spaceshift

teve Spacek – Spaceshift
Sound in Colour / Studiodistribution

Der alte Baum der Musikgeschichte hat einen neuen Ast bekommen. Seit einigen Jahren gibt es immer wieder musikalische Ausflüge einiger Produzenten die nicht mehr klar zu benennen sind. HipHop passt nicht, Elektro ebenso wenig, und wo kommt der soulige Sound her? Innerhalb dieser Koordinaten bewegen sich immer mehr großartige Künstler. 2005 markiert den bisherigen Höhepunkt dieser neuen Bewegung, ein neues Fach im Plattenregal wird fällig - nur gibt es noch keinen Namen. Der neuste Störenfried der Kategorisierung im Plattenladen nennt sich schlicht Steve Spacek. Der Mann kommt aus den UK und hat in Windeseile die internationale Szene in Verzücken versetzt. Ursprünglich war er der Frontmann der minimal-electro-soul Kapelle Spacek deren erste Veröffentlichungen mittlerweile über 5 Jahre zurückliegen. Sein erstes Soloalbum Spaceshift hat er allerdings mit diversen Produzenten in LA aufgenommen.
Die LP bietet dem Line Up entsprechend ein größeres Spektrum an Klangfarben als die mir bekannten Spacek Werke, was meinen Ohren sehr gut in der Muschel liegt.

Der erste Track der LP ist dann auch gleich ein Höhepunkt für Fans des grandiosen Jay Dee aka J Dilla. ‚Dollar’ ist bereits als Single im Umlauf und auch in heftiger Benutzung bei so manchen DJs. Das Stück ist in echter HipHop-Manier entstanden. Das Instrumental ist auf einem Beattape von 2003 zu finden und ist eine pure Demonstration der Chop-Skills des Großmeisters Jay Dee. Durch die MPC ist Billy Paul gedreht worden. 2 Jahre später hat dann Steve Spacek einfach über diesen Wahnsinn gesungen und fertig war der Track.
‚Thursdays’ ist eine Eigenproduktion von Steve Spacek die HipHop Groove mit smarten Electro Sounds verbindet, bei dem Stück fällt sehr schön auf, dass Steve Spacek einfach kein fantastischer Sänger ist, sondern mit seiner charmanten Stimme genau die Stimmung der Beats trifft, aber sich von Opern oder artverwandten Sangeshürden definitiv fernhalten sollte, was er das ganze Album auch sehr erfolgreich macht.
Slave schlägt klanglich in die selbe Kerbe und liegt ebenfalls wundervoll im Ohr, wofür in diesem Fall Mr. French verantwortlich ist. Auch der Track ‚Rapid Rate’ produziert von GB verbindet HipHop-Produktion mit Electrosounds. Faszinierend ist, wie die doch sehr roughen Sampleschnippsel zu einem galanten Ganzen werden. Ein Traum für Sample Fetischisten die gerne noch die Sägespäne in den Instrumentals hören.
Mit ‚Reverible Top’ wird der Sound des Albums etwas minimalistischer und der Groove rückt weiter in den Vordergrund. Steve Spacek säuselt sich weiter über die coolen Arrangements. ‚Luy yu better’ kommt dann mit einem leichten 2Step Einschlag daher, was aber nicht in Farhstuhlmusik endet, sondern eine nette kleine Abwechslung bietet. ‚Slow Baby Dubb’ ist reiner Instrumental-Track, der einfach nur zu köstlich ist. Minimal-Funk für die Welt, herrliche alte Synthiesounds, souveräne Drums und Zapp-like Madness. Eines der absoluten Schmuckstücke auf dem Album. ‚Glad thar you’re here’ droht anfangs in Loungegefilde abzurutschen wird dann aber doch von einer Bassline gerettet und ist am Ende des Tages ein netter Track und leitet das etwas ruhigere Ende des Albums ein. ‚Days of my life’ könnte dann fast als R’n’B Nummer durchgehen, würde Steve Spacek dem Standard entsprechend rumschleimen, tut er aber nicht. Die Vermutung bleibt, dass seine Stimme das gar nicht erlauben würde. ‚Calling Yu’ von den legendären Bugz in the Attic produziert steigt mit einem Rhodes Solo ein, das teilweise an Gil Scott-Herons ‚Song for Bobby Smith’ erinnert, verschachtelt sich dann aber zu einem Broken-Soul Schmachtsong. ‚Hey There’ ist dann noch mal ein kleines verschachteltes Schmankerl, das von ‚Look into my Eyes’ gefolgt wird. Look into my Eyes ist dann zum Ende des Albums noch mal ein sehr konventioneller Song, der mit Popanleihen spielt. Damit der Hörer aber nicht zu seicht entlassen wird gibt es noch einen Bonustrack der noch mal Verschachtelung-Galore für den geneigten Hörer parat hat.

Die hohe Qualität, der Abwechslungsreichtum, die Innovativen Sounds und nicht zuletzt die verdammt guten Grooves machen Spaceshift für einen Kandidaten zum Album des Jahres!

Unbedingte Hörempfehlung. Nein, Hörbefehl für alle die wissen wollen, wie Funk im neuen Jahrtausend klingen kann.

Gewagte 9 von 10 Langspielplatten!

Jazzket | Freitag, 21. Oktober|   Diskussion (0)