The Budos Band

he Budos Band - same
Daptone Records

Zeitgenössische Funk-Bands haben es nicht leicht. Unendlich schwer scheint es, Respekt zu bekommen, oder gar wahrnehmbaren Erfolg. Das lässt sich meist auf zwei Faktoren zurückführen, wenn man mal ehrlich ist. Erstens: Man muss gut sein, verdammt gut, wenn man in einer Disziplin bestehen will, die schon vor 30 Jahren geprägt und bereits damals in alle Richtungen perfektioniert wurde. Mit anderen Worten: Man muss den Groove gefressen haben, mit den größten Löffeln die man sich vorstellen kann. Und dann steht man vor Problem Nummer zwei. Man braucht das, was die Werbung ein Alleinstellungsmerkmal nennt. Spannende Stilmittel, ernstzunehmende Songs, Charisma, irgendetwas Reizvolles - you name it. Schließlich nützen alle Skills nichts, wenn man am Ende nur wie eine bessere Coverband klingt. Das mal vorausgeschickt.

Die Budos Band aus Staten Island ist nun, zugegebenermaßen bereits seit einigen Monaten, das neueste Baby des Labels, das seit Jahren alles richtig macht: Daptone. Hier haben Sharon Jones and the Dap-Kings ihr Zuhause, aber historisch gesehen auch über viele Umwege die legendären Daktaris, die heute zum Teil in Antibalas fortbestehen. Und in diesem Fahrwasser aus Traditionsbewusstsein und Innovation erschien nun ein Album, das zu den vielschichtigsten, packendsten und aufregendsten des letzten Jahres zählt.

Die Budos Band, produziert von Dap-Kings-Kopf Bosco Mann, vereint eine erst auf den zweiten Blick komplexe Rhythmik mit einem eckigen Afrobeat-Vibe, der noch mehr dem kompakten Songwriting und Arrangement von Cymande oder Mandrill schuldet als den ausufernden Jams eines Fela Kuti. Unter der Oberfläche passiert dabei ohnehin soviel, dass man in drei Minuten schon die Zeit vergisst. Die Rhythmusgruppe der elfköpfigen Kapelle bildet stets ein bunkerartiges Fundament aus dreckigen Drums und ein feudales Erdgeschoss aus Bass und mal träumendem, mal hypnotischem Gitarren-Zierat. Darauf ruht eine Schicht Hammond und, um im Bild zu bleiben, ein kompletter Turm aus überfuchsigen Horn-Arrangements und Percussion-Mustern, der mal filigran und vertrackt, mal schwer wie Stahlbeton wirkt.

Schnickschnack wie Vocals wird gar nicht erst in Betracht gezogen, um den Blick, oder besser, das Ohr klar fokussiert zu lassen. Die fettig-scharf servierten Bläsersätze liefern ohnehin die besseren Hooks für diese Band, egal ob rappelnd nervöser Uptempo-Latin-Beat oder bedrohlich langsam um die Ecke kriechender Funk den Augenblick bestimmt. Tunes wie der quintessentielle Opener "Up From the South" oder das spooky tretende "Ghost Walk" sind brennend heiss, aber auch "Sing A Simple Song" erscheint in einem neuen Licht, wird auf den rohen Groove eingedampft, mit einigen Kanten versehen und zeigt gut, worum es der Band eigentlich geht: So geschickt Details zu verstecken, dass das Entdecken genauso fasziniert wie das Gesamtbild. Und das - jenseits jeder Metaphorik - tritt Arsch und macht dich tanzen, es macht großen Spaß zu wissen, dass so eine organisch und ursprünglich klingende Musik nicht retro ist, sondern Gegenwart. Und wenn man ein paar Schritte zurück macht und diese Platte wie beim ersten Mal hört, kann man sie einfach genießen: Grinsend, tanzend oder eben auch lauschend. Für die Seele, die Füße und ein bisschen für den Kopf.

djmq | Donnerstag, 6. April|   Diskussion (0)