The Roots - The Tipping Point

ie original Spuren von Sly Stones "Everybody is a Star" knistern zum Auftakt des 7. Albums, dass nichts anderes als der Wendepunkt in der Kariere der Roots sein soll. Vom Thron des Undergrounds zum endgültigen Olymp im Mainstream. Diesmal haben die Roots ein mächtiges Label im Rücken, und im Grunde sind fast alle Songs radiotauglich. Der Plan ist es die Massen mit Qualität zu erreichen. Und wenn Gott Ahnung von Musik hat könnte dieser Plan aufgehen.
Black Thought, der Vocalist der Gruppe, ist in Bestform. Er hat seinen Stil etwas geändert, was für eine frühlingshafte Frische sorgt. Besonders seine Inhalte haben einen gehörigen Sprung nach vorne gemacht. Kannte man ihn zuvor nur als genialen Prahlhans, so lässt er jetzt Sätze fallen, die die Lage der Nation beschreiben, die Bush Regierung angreifen, oder die Mentalität der Ghettobevölkerung hinterfragt. Das ganze Album über bleibt er ausfallsfrei, und schlüpft bei Boom! in die Rolle von Kool G. Rap und Big Daddy Kane.

Das heimliche Intro das auf den ersten Track folgt, ist eine Ansage an den Rest der Welt und stellt die Ansprüche des Albums klar. Aus dem Sumpf der Mittelmäßigkeit, den Unmengen an akustischen Müll und den wacken Punchlines der MCs, soll The Tipping Point hervorstechen.

Black Thought tut seinen Teil zu dieser Mission, und die Produktion der Musik erfüllt dieses Ziel allemal.

Was die Roots musikalisch auf diesem Album abliefern ist einen Ohrenweide sonder gleichen. Die Drums scheppern und sitzen dem Hörer direkt im Nacken, und die Soundästhetik ist auf Fans der Golden Era zugeschnitten. Nachgespielte Drumbreaks, Samples und liebevolle Detailarbeit besiegeln einen diesjährigen Höhepunkt für Produktionsfetischisten.

Die Geschwindigkeit von Phrenology trifft auf die Soundfülle von Things Fall Apart. Zwischendrin gibt es Ausflüge die man von Common's Electric Circus kennt. Jedes Instrumental hat diverse Schichten die man mit Kopfhörern erforschen kann.
Mein Favorit auf dem Album ist der Track "Guns are drawn"
Infektiöser Groove unterlegt mit dem heiligen Boom Bap höchstpersönlich. Die Gitarre sorgt für die Melodie, und ein merkwürdiges schummriges Sample weit im Hintergrund besiegelt einen Traum von Liedkunst. Der Bass popt wundervoll in den Vordergrund, um dann wieder zu verschwinden, ein paar Takte zu pausieren, um dann wieder direkt in die Beine zu fahren.
Da kann man als MC sowie so nichts falsch machen. Das Instrumental hätte selbst ich gerockt. Zum Glück macht Riq Geez auch noch alles richtig, und geboren ist ein Klassiker.
Wenn man einfach nur darauf achtet wo über all kleine Effekte wie Echos und Reverbs auf die Stimmen oder Instrumente gelegt werden, bekommt man einen Eindruck wie liebevoll dieses Album produziert wurde. Und bei der ersten Single "Don't Say Nuthin" erfährt man,
was passiert wenn der Ghostproducer von Dr Dre den Roots einen Beat liefert, den 50Cent auch gerne gehabt hätte. Zunächst einmal kratzen sich die alten Fans gehörig am Kopf. Aber es finden sich Details im Beat die sich wieder weit von Dr Der und Eminem Brei abheben.
Man beachte die Claps hinter der Snare, die entzückend schluderig dem Tempo hinterher laufen.
Oder der Song Duck Down , das ebenfalls von Scott Storch produziert wurde, nimmt den Ansatz von Timbaland (angeblich hat S.Storch auch für Timbaland den ein oder anderen Beat produziert), und ersetzt den Minimalismus durch Marching Band auf LSD Gigantismus.
Auf Stay Cool verneigen sich die Roots vor ihren Kameraden De La Soul, indem sie das Sample nutzen, dass schon Ego Trippin Part 2 (De La Soul - Bulhoone Mindstate) zu einem Goldstück gemacht hat. Und das Sample bestreitet den Haupteil der Arbeit für dieses Stück, was für The Roots ansonsten eher selten ist.

Das für mich erstaunliche an diesem Album ist, wie versucht wird ein gerechtes Stück vom Kuchen zu bekommen. Das Label hat das Geld und die Möglichkeiten um das Produkt in den Himmel zu pushen. The Roots haben ein paar Modifikationen getroffen die sie etwas verdaulicher gemacht haben, wie zum Beispiel diverse gesungene Hooks. Aber auf der anderen Seite haben wir wieder eine Rückkehr zum Bombsquad Sound und einige erfüllte feuchte Träume von HipHop Fanatikern. Der einzige Love Song auf dem Album ist dann auch dem Mic gewidmet.

Dazu dieses subversive Artwork das Malcom X beim Antritt seines Gefängnisaufenthaltes zeigt, bevor er als Politischer Aktivist in die Gesellschaft zurück kehrt. Großzügige Liner Notes mit Anekdoten von Questlove, und geniale Produktion. Man kann gar nicht anders als diese Kunst sympathisch zu finden. Dope Shit!

8 1/2 von 10 Langrillen

Jazzket

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