30.03.07

Baltic Soul Chronicles - Part 4

Während am warmen Sonntagnachmittag draussen vor dem Betalounge-Exil-Floor ein Weissenhäuser Äquivalent zum Hamburger Schulterblatt entsteht - Beisammensein mit Sonnenbrillen, Trainingsjacken und Käffchen galore - bleibt bei einem Strandausflug genug Zeit für die Frage: Was war denn nun eigentlich mit Soul? War nicht die Northern-Soul-Szene der Ursprung des Weekenders? In der Tat gab es ja einen eigenen, bisher unerwähnten Floor für Northern Soul, Rare Soul und all diese Dinge - und das nicht aus böser Absicht, sondern weil ich einfach nie länger als zwei Minuten dort war. Ein kahler, kalter Raum, immer etwas zu kahl und kalt um einladend zu sein, war zwar für harte Szenegänger vollkommen okay, um aber richtig zu rocken und auch mal ein paar Fans der Disco Boys zu raren Singles feiern zu lassen, scheint es kaum gereicht zu haben. Vielleicht ist das auch halb so schlimm - denn am Ende geht es um ein gutes Wochenende am Meer. Und das, sagt auch mein Anwalt, hatten wir ganz bestimmt.

Posted by djmq at 23:25 | Comments (0)

29.03.07

Baltic Soul Chronicles - Part 3

"Als Dein Anwalt," sagte mein Anwalt, "rate ich Dir, erstmal an den Strand zu gehen." Wie immer hatte er vollkommen recht. Und während man auf den großen, bösen Festivals den zweiten Tag meist zwischen alkoholdünstenden Menschen mit einer Reispfanne (4,50 Euro) in der Hand umherirrend beginnt, ist der Weekender mit entspanntem Strandspaziergang und frühlingshaftem Wetter auch hier klar im Vorteil. Als Zeitpunkt, an dem ich wieder Musik hören wollte, hatte ich mir 21.30 Uhr ausgesucht. Erst Abendessen, dann Roy Ayers. Der böse hinkende Zeitplan sorgte dann dafür, dass ich irgendwann nach 22 Uhr noch pünktlich zu Joy Denalanes Zugabe kam, ihr "Ghetto von Soweto" mag ich sowieso gerne, und hey, mit was für einer guten Band umgibt sich die Dame denn? Mit einer sehr guten Band, das steht fest. Umbaupause, genug Zeit für eine Partie "Mann-oh-Mann, bloß keinen Ärger" - eine mysteriöse 80er-Jahre-Computerspieltisch-Variante eines bekannten Brettspiels, dessen Namen mein Anwalt hier lieber unerwähnt wissen möchte.

Dann aber. Der höchst sympathische Roy Ayers, den ich vor 3 oder 4 Jahren schon einmal sehen durfte, ist natürlich inzwischen ein älterer Herr - mit Sonnenbrille und Kangol-Cap als Samuel L. Jackson verkleidet - der mit einer wirklich guten Band durch die Weltgeschichte reist. Wo sie den Gitarristen gefunden haben, wüsste ich trotzdem gerne. Der einzige Weisse in der Band, mit E-Gitarre, verkniffenem Blick und tendenziell überlangen Soli: Dave Chappelle hätte reichlich zu tun gehabt. Das Programm tendiert insgesamt ein wenig zu Muckertum, aber zumeist gibt es nichts zu Meckern, sondern ein sanftes Lächeln auf meinen Lippen. Ayers und der Rest spielen wie junge Götter, alle strahlen, und so kann man auch über die vollkommen furchtbaren Visuals auf den Leinwänden in der Halle hinwegsehen, die mehr animierte Sponsorenlogos zeigten als Musiker.

Der Rest des Abends zerfasert leider ein wenig. Das DJ-Set von Friction habe ich versehentlich knapp verpasst, ausserdem hat Smudo leider seinen höchst sympathischen ich-kann-gar-nicht-auflegen-Charme mit passend launigen Ansagen gegen einen abstürzenden Laptop, Serato und gepitchte Übergänge getauscht. Beim letzten Mal hat das mehr Spaß gemacht. Gegen später übernehmen seine Band- und Labelkollegen Turntablerocker den großen Floor, und wäre ich volltrunken und/oder tanzwütig gewesen, hätte ich es da sicher noch eine Weile ausgehalten. Etwas technoider als gedacht, aber immer noch irgendwie funky zappeln die beiden durch ihr Set, während nebenan der halbvolle Teppichfloor (der mit Marva Whitney) von Mousse T. mit unaufregendem Disco-Vocalhouse bespaßt wird. Plötzlich ist es wieder fast vier, sogar noch nach Winterzeit. Feierabend.

Lesen Sie morgen in Teil 4: Was macht eigentlich... Soul?

Posted by djmq at 13:18 | Comments (0)

28.03.07

Baltic Soul Chronicles - Part 2

Was Musik angeht, hatte ich Leroy Hutson eigentlich schon als mein Highlight am Freitagabend eingeplant. Der gute Herr, mittlerweile angeblich Immobilien-Großverdiener, sah das allerdings anders: Mr. "best-kept secret of Seventies Soul" bleibt auch weiterhin lieber ein Geheimnis, als in den Flieger nach Europa zu steigen. Schade drum. Bleibt als angenehme Überraschung Erobique auf dem Hauptfloor: In Hamburg habe ich ihn immer wieder verpasst, aber der gute Mann ist tatsächlich eine rockende, mit kleinen Absurditäten um sich schmeissende Einmannband für Elektrogrooves. Immer toll, jemanden mit Spaß auf der Bühne zu sehen - aber nicht zu lang, immerhin möchte ich Marva Whitney im teppichgeschwängerten Tagungsraumcharme des 70s-Floors ungern verpassen.

Oder möchte ich es doch? Eine gute Frage, die mir auch mein Anwalt nicht beantworten konnte. Die Soulpower Allstars haben jedenfalls brav geprobt und extra für heute die Anzüge gebügelt. Der Ansager mit Hut feiert und fuchtelt wie 1974. Die Einsätze der Band sind tight. Fast. Und schon bald findet ein funkelndes lila Paillettenkleid seinen Weg auf die Bühne, mit Marva Whitney drin. Respekt: Immer noch eine fantastische Stimme. Power. Laut und fehlerfrei. Nur motorisch-mimisch wirkt Marva Whitney 2007 doch oft eher wie ein grob angeschickerter, kleiner Dennis Rodman im Fummel, wenn man genau hinsieht. Schwierig, auch in journalistischer Hinsicht - Leuten einen amtlichen Suff anzudichten, nur weil die Augen groß und die Gesten ausladend sind, gehört sich nicht. Also lieber nicht machen, darin bekräftigt mich auch mein Anwalt. So oder so: Marva war da und hat sich toll angehört, daran gibt es keine Zweifel. Und darauf kommt es ja auch an, wenn man einfach etwas weiter von der Bühne weg steht.

Auf dem Hauptfloor blieben derweil Hans Nieswandt nur 30 Minuten Zeit, um sein eigentlich anderthalbstündiges Set zu spielen - Verspätungen fordern eben irgendwann ihre Opfer. Schade, dass ausgerechnet er es sein musste, aber das hat er geschickt durch Klonen ausgeglichen, glaube ich. Zumindest bin ich ihm an diesem Abend überall auf dem Gelände so unrealistisch oft begegnet, dass es sich kaum anders erklären lässt als durch gut abgestimmte Doppelgängerei. Während die Disco Boys auf dem Hauptfloor gegen später eher musikalisches Resteficken betrieben (Verzeihung, größten Respekt für die Karriere der Jungs, aber ab und an ertrage ich das Spektakel einfach nicht), durfte der erste Abend also zusammen mit einem der Hänse bei Drinks, Mojos Oliver Korthals und "Soulful House & Disco" - so nannte sich der kleine Floor mit Blick auf die Dünen - ausklingen.

Lesen Sie morgen in Teil 3: Wo Samuel L. Jackson Vibraphon spielt und wieso Joy Denalane gar nicht so schlimm ist.

Posted by djmq at 13:48 | Comments (0)

27.03.07

Baltic Soul Chronicles - Part 1

Ein Korrespondentenbericht von Quester S. Thompson

Wir waren kurz vorm Weissenhäuser Strand, als die Drogen nicht zu wirken begannen. Mein Anwalt und ich waren unterwegs, um über den Baltic Soul Weekender zu berichten - nicht in der Wüste vor Las Vegas, sondern im erblühenden Holstein, zwischen Ferienanlage, Dünen und zotteligen Hochlandrindern. Unser Mietwagen-Kofferraum war dementsprechend auch nicht voll mit Äther, Meskalin und Acid, nein, es gab nur ganz normale Wochenendvorräte - die ohnehin schon leicht amoklaufinduzierende Plattenbauromantik, die die komplette Ferienanlage ausstrahlt, wäre auf Drogen jenseits normaler Alkoholika ohnehin schwer zu verdauen gewesen. Und selbst Alkohol kann schnell fordernd werden: Die bereits in der Mittagssonne stolz grölenden Stumpfköpfe und Aushilfs-Soulliebhaber im Apartment nebenan waren der beste Beweis dafür, wie schnell das Pauschal-Urlauber-Gen sich seinen Weg in die Freiheit bahnt.

So ein Weekender ist eigentlich eine sehr gute Idee. Vermutlich sogar die beste Idee, die man aus England übernehmen konnte, nachdem Beckham-Frisuren und Baked Beans sich als grobe Fehler herausgestellt haben. Im Prinzip ist ein Weekender ein normales Festivalwochenende, das aber in jeder Hinsicht verbessert wurde: Statt 10.000 oder 20.000 Indierockern und Hairmetallern nimmt man nur 1.000 oder 1.500 Leute aus ein, zwei anderen Subkulturen, die meist irgendwie andere gute Musik mögen. Statt eines übervölkerten Zeltplatzes mit vollen Dixiklos nimmt man komplett ausgestattete Apartments in einer Ferienanlage in der Nebensaison, weil da eh fast alles leer steht. Statt schlechtem Fastfood kocht man einfach selber. Und anstatt beim Musikhören entweder im Staub oder im Regen auf einem Acker zu stehen, kann man zwischen diversen Hallen und Floors pendeln, Minigolf und Tischtennis spielen oder am Strand die Nase in den Wind halten. Die Ostsee musste für das kostenlose Touri-Orientierungs-Heftchen ("Was Sie schon immer über Bier wissen wollten") zwar so stark auf Karibik gephotoshopt werden, dass nicht nur das Wasser, sondern auch die Badegäste wundervoll blaugrün schimmern, aber auch ohne digitalen Betrug ist Meer immer etwas Gutes. Das Konzept macht also rundum Sinn. Und dabei haben wir noch nicht mal über die Musik gesprochen.

Lesen Sie morgen in Teil 2: Was Dennis Rodman mit Soul zu tun hat und wieso Hans Nieswandt an zwei Orten gleichzeitig sein kann.

Posted by djmq at 13:27 | Comments (0)

20.03.07

Baltic Soul Weekender

Die Ostsee wird das kommende Wochenende (23.-25.03.2007) das Mittelmeer der Soul-Gemeinde, denn der Baltic Soul Weekender findet nach 2 Jahren Vorbereitung zum ersten Mal in der riesigen Ferienanlage am Weissenhäuserstrand statt, die mit 5 Tanzflächen zur Oldschool Disco verwandelt wird, die von solch namhaften Stars wie Roy Ayers, Marva Whitney und Joy Denalane live auf der Bühne in einen Soulheaven verwandelt wird. Dazu gibt es ein 3 tägiges DJ Line-Up von 60ties Soul bis House, das sich auch gewaschen hat, als würde es sich um die neue DuschDas Werbung handeln. Das Line Up ist derart International, dass sich einige Fluggesellschaften sanieren können. Und die Idee ist so simpel und gut, dass es wirklich verwundert, dass wir so was nicht schon 30 Jahre lang erleben konnten.

HamburgFunk darf ein 4 Personen Appartement im Werte von 516,- Euro verlosen, dass eine glückliche kleine Soul-Kommune für dieses Wochenende beherbergen darf.

Alles über das Festival gibt es unter www.baltic-soul.de und die Verlosung nur in unserem HamburgFunk Newsletter!

Also auf das Postfach!

Posted by Jazzket at 19:28 | Comments (0)

14.03.07

Helden

Die Fingerprints kriechen wieder aus ihren Löchern, um euch dazu zu bewegen Löcher in eure Schuhe zu brennen. Und am Ende werden sie wieder sagen, sie seien es nicht gewesen, und ihr sollt bitte in einem Monat wiederkommen.

Von all dem weiß Static (nicht der merkwürdige Blackmusic Vogel) aus dem schönen Dänemark nichts. Er wird aber diesen Freitag im 13. Stock den Komplizen geben und aufgrund seiner dänischen Staatsbürgerschaft nicht belangt werden können.

Klingt nach Krimi wird aber nicht im Fernsehen übertragen ganz anders Positunes bei „Neue Helden TV“. Entspannte Soulgrooves, großartige Musiker und erbauliche Sangeskunst von Sannah und Mounir gibt es Morgen (Donnerstag) um 21 Uhr auf Tide.
www.neuehelden.tv

Und HamburgFunk wird in Kürze auch noch zum Reisebüro, wenn wir den Baltic Soul Weekender aufbereiten, der uns bisher ein wenig durch die Lappen geglitten ist.

Posted by Jazzket at 13:37 | Comments (0)

13.03.07

Heute ist Samstag

Vor der Rettungswache in Alsterdorf liegen mehrere Orangen und ein Apfel auf dem Gehweg. Als ich den Weg freiräumen will, fällt mir ein, dass es sich um eine Übung der freiwilligen Feuerwehr handeln könnte. Heute ist Samstag und das Obst wurde so angeordnet, dass es wie zufällig verstreut aussieht.

Der Sportplatz gegenüber meiner Wohnung wird von vier großen Flutlichtmasten begrenzt. Auf etwa zehn Metern Höhe arbeitet dort seit langer Zeit eine kleine Spechtfamilie, die jedes Jahr zum Frühlingsanfang erneut mit den erfolglosen Versuchen beginnt, ein Loch in die massiven Metallpfosten zu hacken und sich dadurch Zutritt zum Inneren des vor sich geglaubten Baumes zu verschaffen.
Das dabei entstehende Geräusch erinnert an den Ton einer großen Fahrradklingel, die man im Takt abwechselnd kurz und lang betätigt und dabei langsam gegen ein Ofenrohr wirft. Nach allem was ich weiss, bekommen Baby-Lichtspechte den Drang ins Innere des Mastes bereits in die Wiege gelegt und lernen ihr Handwerk von den Eltern, die schon in jungen Jahren an unerträglichen Kopfschmerzen sterben und ihren Kindern daher nicht mehr mitteilen können, dass ein Durchbruch selbst nach optimistischen Schätzungen erst in etwa 400 Jahren zu erwarten ist.

Auf unserem Dachboden wohnt ein Marder. Das sind lange Quasi-Katzen mit einem zu kleinen Kopf, über die sich die Eichhörnchen in der Nachbarschaft nicht freuen, weil sie wissen, dass sie von ihnen gegessen werden. Marder übernehmen in der Natur keine Funktion (Ausnahme: "Automarder") und haben nur dummes Zeug im Kopf. Soweit ich weiß wurden sie ursprünglich nur entwickelt, um die Lücke zwischen Hund und Katze zu schließen, was nach Meinung der Eichhörnchen nicht nötig gewesen wäre.

Auf N24 hat Rüdiger Nehberg soeben seine Überlebenstips vorgestellt. Wenn alle Essensvorräte aufgebraucht sind, könne man z.B. einige Meter Fototapete einkochen und das Konzentrat als Bindemittel für einen Fladenbrotteig verwenden. Auch in der Wildnis solle man aber auf eine abwechslungsreiche Ernährung nicht verzichten und regelmäßig auch frische Früchte zu sich nehmen. (s.o.)

Posted by Tortellini at 07:46 | Comments (0)

12.03.07

Teller

Kulinarisches arbeiten ist am schönsten. Ich bearbeite gerade einen Auftrag für ein indisches Musikprogramm, bei dem es darum geht, begleitend zu einem Theaterfestival Konzerte zu organisieren. Da liegt es ja nahe, auch mal wieder indisch essen zu gehen, und was gibt es schöneres als eine Kellnerin, die ein bisschen aussieht wie ein Klingone, aber niedlich, was ja an sich schon ne Leistung ist, und die einem noch ein paar Pakoras zu viel auf den Teller tut, weil ja gerade keiner guckt.

Da trifft es sich ja auch, dass endlich jeder den neuen Fingerprints Banner anstarren kann, und in Windeseile, in den nächsten Tagen über unseren Newsletter 3x2 Plätze auf der Gästeliste gewinnen kann (oder Buzz?).

Heureka!

Posted by Jazzket at 12:50 | Comments (0)

09.03.07

Auf der Suche nach Aliens

Ich bin nicht tot. Der Bart ist auch noch nicht ganz bei Tom Hanks angekommen und die Haare habe ich immer noch von Jesus. Keine Sorge. Das Herz schlägt immer noch und bei unserem neuen Kollaborations-Projekt „Family. A Labour of Love" immer noch höher.
Ich bin nur etwas beschäftigt. Nennen wir es Projektarbeit. Ich bin so etwas wie moralischer Modedesigner oder gefühlter Diplomand. Und ausserdem auch gerne exzessiv busy.

Ich bin ja beruflich eigentlich MC in einer großen kulturellen Einrichtung. Meine Aufgabe ist es die Leute auf diesen weiten Weiden der sehr zeitgenössischen Hochkultur an die richtigen Orte zu lenken. Immer wie ein Schäferhund mit einem Lächeln zwischen den Kieferknochen, treibe ich beseelt das richtige Publikum in die rechte Halle. Aus Großzügigkeit darf ich dafür auch ein kabelloses Mikrophon benutzen, weil wirklich nur mein Fell und nicht meine Kondition an Lassie erinnert. Als ich dann eines Tages aus meinem Sumpf der prekarisierten Leihenschriftstellerei heraus trat, um für die Kultur als Hirtenhund zu arbeiten, musste ich feststellen, dass irgendwer sich erdreistete meine Funkfrequenz in Beschlag zu nehmen und mich und das Foyer mit Störsignalen zu überziehen, wo ansonsten mein liebliches Bellen durchs Mikrophon dringen würde. Ein verstörendes Rauschen und Knistern, als wäre man direkt an die Hirnströme von Bushido angeschlossen. Aber was konnte die Ursache sein? Dazu muss man vielleicht wissen wie mein Arbeitsplatz aussieht.
Das Gelände ist so groß, dass wir Fahrräder für die Kommunikation nutzen. Hinter der einen Tür sitzt Adolf Hitler hinter einem Plattenspieler und kommentiert einen Dokumentarfilm. Hinter der anderen uriniert eine Performancegruppe im Zeichen der Sünde. Hinter noch einer anderen Tür versuchen sich junge Schauspieler auf einer verzweigten Bühne. Und mittendrin Lassie-MC der Hirtenhund auf der Suche nach Störsignalen. Das Publikum, das langsam ins Foyer sickert, stört sich im ersten Moment gar nicht an den Störsignalen. An jedem anderen Tag würden sie für so etwas Eintritt bezahlen, sie kommen also eigentlich günstig davon. Also begebe ich mich auf die Suche, Frage Hitlers Haustechniker ob er Funkmikrophone benutzt, frage die Techniker des Hauses, aber leider ist der einzige der es wissen muss in der verlängerten Pause. Allgemein ist die Informationsdichte in keiner Weise vergleichbar mit der Dichte der angehenden Alkoholiker und die Zuschauer genießen noch weitere 10 Minuten kostenlose Hochkultur ohne einen Cent dafür bezahlen zu müssen.
Mittlerweile ist die Mittagspause des Retters beendet und die Fahndung nach den Aliens wird fortgesetzt. Zwei Techniker mit insgesamt vier geschulten Ohren stehen also im Foyer und versuchen die Störsignale zu entziffern. Ein Gesichtsballet der Ahnungen wird aufgeführt. Es klingt eigentlich nicht nach Hitler, eher nach der Jugendkrankheit in der kleinen Halle. Oder vielleicht doch schon die urinierenden Performer aus dem ehemaligen Ostblock? Am Ende war es ein Kamera Team von Arte, das mein Mic verseucht hat. Hochkultur kennt halt keine Grenzen, Hochkultur kennt kein Pardon.

Posted by Jazzket at 12:34 | Comments (0)